Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Blogparade: Mein erstes Barcamp

CC BY 2.0 by hirnrinde (flickr)

Mr. Barcamp himself, @hirnrinde, fragte mich gestern auf Facebook, ob ich mich an der Blogparade “Mein erstes Barcamp” beteiligen möchte. Da blogge ich schon seit über 9 Jahren und habe trotzdem noch nie an einer Blogparade teilgenommen. #gettingthingsdone.

Mein erstes Barcamp war das #bcruhr2 im Essener Unperfekthaus, meiner Heimatstadt. Als bei mir zum ersten mal Barcamps über den RSS-Radar liefen, war das #bcruhr08, das erste Barcamp Ruhr gerade vorbei. Meine Recherchen führten zur socialbar, ja ich glaube so hieß es. Einer Art Stammtisch, wo sich die Menschen trafen, die eine Gemeinsamkeit verband, ihr Leben im Internet. Ich fuhr also ins Bermudadreieck nach Bochum und traf sie alle: @hirnrinde, @pottblog oder @katti ich müßte nur in meine Twitterfollower-History schauen, um den Reigen zu komplettieren. Viele der Menschen, die ich dort kennenlernte, folge ich bis heute, zumindest auf Twitter. Ich habe, denke ich, sofort begriffen, dass Barcamp und meine Auffassung von Bildung sehr gut zusammenpassen. Es ist ein gegnseitiges Geben und Nehmen. Ich konnte die damalige Geschäftsführung des Bildungswerks gewinnen, dem 2. Barcamp Ruhr im März 2009 finanziell unter die Arme zu greifen. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch fest davon überzeugt, dass Barcamps die Zukunft der politischen Bildung sein würden. Heute weiss ich es besser. Die Richtlinien der BpB reiben sich bei solchen Veranstaltungen am Unplanbaren. Da ich davon allerdings nichts wußte, konnten ich in den folgenden Jahren die politische Bildung mit in das Digitale Zeitalter begleiten, dazu später mehr.

Neben mir, waren der @jmm_hamburg, die @u_de und der @woiT2 mit dabei. Was soll ich sagen? Theoretisch zu verstehen was passieren wird und die tatsächlichen Vorgänge zu erleben sind dennoch sehr verschieden. Ich glaube, ich hatte sogar eine Session angeboten: Irgendwas mit politischer Bildung. Es waren nicht viele da, dafür aber die Richtigen. Ich hatte schon so einiges erlebt in meinem bisherigen Pädagogenleben. Aber die Atmosphäre, das weniger an Belehrung und das viel mehr an p2p Learning hat meine pädagogische Profession nachhaltig geprägt. Nichts ist so schön wie an offenkundig offenen Fragen zu arbeiten und mit Sicherheit zu wissen, dass niemand mit einem Lösungszettel um die Ecke kommt. Nichts ist ungezwungener als nach der Session weiterzudiskutieren, weil die Zeit nicht gereicht hat. Nichts ist inspirierender als so viele Menschen auf einem Fleck, die mitdenken.

Viel später war ich mit Studierenden der Uni Duisburg-Essen am gleichen Ort auf dem #jmstvcamp. Eine Studentin sagte bei dem Anblick der 140 jungen Menschen in ihrem Alter. “Wo kommen die alle her?” Ich wollte ihr sagen, die kommen aus dem Internet, mir fiel aber auf, dass sie das falsch verstehen könnte. Lange Zeit dachte ich, Barcamps ziehen Menschen an, die anpacken können. Heute weiss ich, Barcamps sorgen dafür, das Menschen anpacken, es ist Teil des Algorithmus. “Aber warum gelingt das in der Bildung so selten?” fragte ich mich und fing an Barcamps überall zu integrieren. Das war keine gute Idee. Heute weiss ich auch: Es gibt eine Zeit für Barcamps und ein gibt eine Zeit für andere Bildungsformate. Es ist ein unangenehmer Prozess des umlernens, Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen und ich erlebe in meiner täglichen Praxis immer wieder viele Menschen, bei denen dieser Umlernprozess unmöglich scheint, weil alles in ihnen nach dem erhalt bestehender Routinen schreit. Und wahrscheinlich war es bei mir nie anders.

Ich habe in meinem Tagebuch geblättert und habe die Stelle gefunden, wo ich über mein erstes Barcamp schrieb (fragt mich nicht, warum das nicht mit dem Datum des Barcamp Ruhr 2 übereinstimmt). Den Poken habe ich immer noch. Der ist lange Zeit in den Untiefen meines Rucksacks verschwunden. Zwischendurch erinnert er mich immer mal wieder an eine längst vergangene Zeit. Es war der Moment, an dem ich begriff, dass RL und mein Leben im Internet kaum noch zu unterscheiden ist und zwar nicht, weil ich mich für eine der beiden Welten entschieden hätte.

Seitdem ist viel passiert:
28. – 29.03.09 Barcamp Ruhr 2, Mixxt(Sponsor) #bcruhr2
17. – 19.04.09 Educamp in Ilmenau (virtuell)
01. – 03.05.09 politcamp09 (Veranstalter) #pc09
02. – 03.10.09 socialcamp 2 (Sponsor) #sc09
20. – 21.03.10 Barcamp Ruhr 3
24. – 25.04.10 AdZ Barcamp (Veranstalter), Berichterstattung
11. – 12.09.10 AdZ Barcamp (Veranstalter)
19. – 20.11.10 collaborationcamp (Veranstalter)
05. – 07.11.10 Educamp in Aachen
19. – 20.03.11 Educamp in Bremen
26. – 27.03.11 AdZ Barcamp (Veranstalter),
30.04.11 jmstvcamp
04. – 05.06.11 politcamp 3
14. – 16.10.11 Barcamp auf dem AdZ Kongress
12.11.11 AdZ Barcamp (Veranstalter)
18. – 20.11.11 Educamp in Bielefeld
16. – 18.03.12 Educamp in Köln (Orgateam), Film
19. – 21.11.12 Educamp in Ilmenau
12. – 14.04.13 Educamp in Hamburg
29.04.13 Politikcamp des VHS Landesverbandes NRW (Orgateam)

Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, dass Freunde aus dem Internet echte Freunde werden können. Aber ich habe auch verstanden, das der Transfer nicht immer klappt und habe mir 2-3 mal unangenehm die Nase verbrannt. Namen seien hier nicht genannt. Sicher weiss ich, dass 2009, das Jahr meines ersten Barcamps, meine beruflichen und privaten Aktivitäten massiv verändert hat. Ich geocache, pb21 ist zu einer Plattform geworden, auf der die Pädagogik für das 21. Jahrhundert Gestalt annimmt und ich kann nicht leugnen, dass das seit 2009 gewachsene Netzwerk aus Freunden, Bekannten, Mitstreitern und Mitdenkern zu ständig, zumindest für mich, neuen Ideen anstiftet.

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@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

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