Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Das Medium ist die Botschaft

Gestern war ich mit der Familie im Zoo, dabei habe ich eine interessante Beobachtung gemacht. Kinder rennen von Gehege zu Gehege und schauen, ob sich ein Tier bewegt. Sollte dann tatsächlich der Löwe den Schlafplatz wechseln, schreit es „ der bewegt sich“ und einem Schnäppchenaufruf gleich füllen sich die Zuschauerreihen und ein Blitzlichtgewitter geht hernieder.

Ich dachte bei mir, dass ist sicherlich das Ergebnis einer medienvermittelten Welt. Auf der anderen Seite, wenn es kein Fernsehen gäbe, dann würden Menschen sicherlich gar nicht wissen, dass es Löwen gibt. Die diversen Wissensshows vermitteln uns aber, dass der Löwe ein Jäger ist, ständig auf der Jagt oder am Fressen, aber Tatsache ist, das der Löwe ca 70% des Tages mit Schlafen, Dösen oder Chillen verbringt. In den Medien verkaufen sich schlafende Löwen nicht so gut, die müssen sich schon bewegen, das Fernsehen zeigt doch nur bewegte Bilder, dass ist ja das besondere, was aber, wenn sich das Bild nicht bewegt, dann kann es zu Unstimmigkeiten mit der Realität kommen. Sicher wissen wir alle, dass das Fernsehen nur einen Ausschnitt der Realität zeigt, was wir aber bisher nicht wußten ist, dass das Fernsehen keine unbewegten Bilder zeigen kann, weniger aus technischen als vielmehr aus „ästhetischen“ Gründen. Man produziert ja auch keine Zeitung in der nichts geschrieben steht oder man hört auch kein Radio, in dem nichts zu hören ist. Das Fernsehen muss die Bilder bewegen und vielleicht hat das unsere Welt auch so bewegt erscheinen lassen, weil das Fernsehen nicht anders kann. Ein Poster von schlafenden Löwen im Kinderzimmer hätte sicherlich die Erwartungshaltung verändert.

Der Schockwellenreiter hat 5 Thesen zum Verhältnis von Weblogs und Journalismus veröffentlicht. Im seiner letzten These stellt er eine für mich umstrittene Behauptung auf: „Internet kills the Radio Star“. Danach ist das Internet die Killerapplikation, die mit zunehmender Mobilität alle anderen Medien verdrängen wird. Ich möchte das sehr bezweifeln. McLuhan sagte einmal den bekannten Satz „The Medium ist the Message“ das bedeutet doch jedem Medium liegt sein eigener Charakter zu grunde, der in erheblichem Maß auch den Inhalt der Botschaft mitbestimmt. Wird nun eine Radiobotschaft ins Internet z.B. durch ein Podcast transferiert verliert es seinen Zusammenhang, der Beitrag bleibt zwar seinem Zusammenhang verhaftet, aber die Ankündigung durch den Moderator, der Ausklang der letzten Liedes, der Zwischenruf durch eine Staumeldung all das, was „Life-Radio“ auszeichnet geht durch die Podcast-Konservierung verloren. So denke ich, dass auch nocht in 200 Jahren das Radio nach wie vor von Bedeutung sein wird. Auch Fernsehanstalten und Zeitungen wird es nach wie vor geben, trotz Internet, weil das Medium die Botschaft ist.

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Worum gehts hier?

@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

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