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Menschen dafür zu gewinnen in einen Prozess einzugreifen und sich selbst einzubringen, das würde man Partizipation nennen, jedenfalls aus Sicht derer, die sie gewähren, aus Sicht der Partizipierenden würde man es einmischen nennen und das haben die Prozessverantwortlichen häufig gar nicht gerne. Haben wir alle vielleicht ein Partizipationsproblem? Ich denke ja.

Nach den Erfahrungen und Beobachtungen der letzten Jahre könnte ich 3 von sicherlich Hunderten von Problemen ausmachen, die eine Partizipationskultur verhindern:

  • Unterscheidung in Organisierende von Partizipation und ihre Teilnehmenden
  • Partizipation ist nur Teil des Prozesses und nicht der Prozess selbst
  • Partizipation fördert eine kritische Auseinandersetzung mit dem Bestehenden und stellt die Verantwortlichen in Frage

Partizipationsgewährende und Partizipierende

Partizipation kennt zumindest in den Einstellungsoptionen unserer Gesellschaft zwei verschiedene Perspektiven. Zum einen die, die Partizipation gewähren und zum anderen die, die partizipieren. In vielen Fällen wird Partizipation als Zugeständnis der Entscheidenden empfunden, nicht aber als Normalität. Und natürlich ist der Rahmen klar umrissen und die Regeln klar. Partizipation bezieht sich also selten auf ihr Setting, und die Einstellungsoptionen. Im schlechtesten Fall dient Partizipation nur der Legitimation der anschließenden Entscheidung, nach dem Motto, „Meckern hilft nicht, ihr hattet ja die Möglichkeit mitzumachen“. Das Problem ist aber die Vorgabe des Rahmens, es entspricht dem goldenen Käfig. Ein gut gemeinter Ansatz bewirkt das Gegenteil. Die Beteiligten fühlen sich selten ernst genommen. Da hilft auch Transparenz bei der Herbeiführung der Entscheidung am Ende wenig.

Partizipation ist nur eine Phase im Prozess

Ich spreche hier allgemein von Prozess, weil Partizipation das Zauberwort in so vielen verschiedenen Zusammenhängen ist, denen aber immer die obengenannten 3 Probleme innewohnen.

Vor der Partizipation steht eine Einleitungsphase und danach meist eine Entscheidungsphase. Partizipation beginnt meist mit einem „… und jetzt seid ihr dran“ und endet mit einem „Danke für euer Engagement und die zahlreichen Ideen“. Im besten Fall wird die Entscheidung zusammen mit den Partizipierenden gefällt, weniger in politischen Prozessen, aber wenn es um nicht viel oder um um ein kalkuliertes Viel geht, ist so etwas zu beobachten.

Partizipation begünstigt Kritik am Rahmen und dem gesamten Prozess

Zusammen mit den Teilnehmenden einer einwöchigen Veranstaltung im Rahmen von pb21.de haben wir zu Beginn des Workshops den Raum eingerichtet. Es war ein sehr praktischer Einstieg zu mehr Verantwortung für den eigenen Lernprozess. Anschließend fand eine Diskussion zur digitalen Hausordnung statt. Zu keinem Zeitpunkt des Seminars wurde so kritisch über die Art und Weise der Seminarkonzeption gesprochen, wie an diesem ersten Tag. Ich bin sicher, dass das Partizipationsversprechen, dass die Gestaltung des Raumes (Teil des Seminarrahmens) für den weiteren Workshopverlauf offerierte, die Kultur der kritischen Auseinandersetzung nicht zuletzt mit den Rahmenbedingungen (Seminarkonzeption) gefördert hat. Es erscheint mir auch einleuchtend, das Partizipation die Auseinandersetzung und die Gestaltungsperspektive mit ihren Rahmenbedingungen fördert. Und es erscheint mir ebenso einleuchtend, das die kritische Auseinandersetzung mit dem Rahmen oder den vorbereiteten Inhalten den Referenten gar nicht gefällt.

Wie kann Partizipation gelingen?

Wenn man all das weiß, gibt es eigentlich nur einen Ausweg. Es geht nicht um Partizipation, sondern um die Schaffung partizipativer Kultur. Der Unterschied ist „Prozess statt Phase“. Wenn Partizipation also nicht nur Teil eines Prozesses, sondern der Prozess selber werden soll, dann muss sie von den Partizipierenden im politischen vom Bürger ausgehen, d.h. es braucht eine Kultur in der das Einmischen und das fängt häufig mit Kritik an den Gestaltenden Kräften selbst an, erwünscht ist.

Barcamps sind wichtige Inkubatoren für eine Partizipationskultur. Leider enden Barcampsessions viel zu häufig bei dem „man müßte mal“ statt bei der Geburt eines neuen partizipationsorientierten Projekts, von guten Beispielen abgesehen.

Was die Piraten mit der Herbeiführung politischer Entscheidungen wagen, kann man als wichtigen Ansatz für die Initiierung einer Partizipationskultur verstehen.