Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Free your Android

cyanogenmod

Fremdbestimmtheit ist ein großes Problem, wenn es um die Nutzung von (Android-)Smartphones geht – auch im Umfeld von medienpädagogischen Projekten. Beispielsweise wird circa 30% des Speichers von Apps reserviert die der Hersteller vorinstalliert hat. Es ist jedoch nicht möglich die vorinstallierten Apps zu deinstallieren. Das wiederum liegt daran, dass der Benutzer auf seinem eigenen Gerät in der Regel nicht über die nötigen Benutzerrechte verfügt. Das wiederspricht unserem Verständnis von dem Eigentum, das wir als Käufer an diesem Handy beanspruchen.

Aufgrund der fehlenden Rechte auf meinem Telefon ist es mir auch verwehrt, selbst Updates des aktuellen Betriebssystems zu installieren es sei denn mein Hersteller stellt mir entsprechende Updates zur Verfügung. In der Regel ist damit erhöhter Entwicklungsaufwand verbunden der sich für die Hersteller nicht rechnet. Und so können die Nutzer von den Neuerungen am Betriebssystem, die herstellerunabhängig entwickelt werde, nicht profitieren.

Dies alles kann man aber ändern, weil Android Freie Software ist. Wie Sie selbst die Macht über Ihr Smartphone übernehmen können und ein neues Betriebssystem auf Ihrem Handy installieren, werde ich in diesem Artikel beschreiben.

Hintergrund

Im Internet lassen sich eine Vielzahl an verschiedenen Android Versionen finden. Eine der bekanntesten heißt CyanogenMod. Da Android auf vielen verschiedenen Smartphones installiert werden kann, muss auch für jeden Gerätetypen ein angepasstes CyanogenMod installiert werden.

Schritte zur Befreiung des Androidtelefons

  1. Um ein alternatives Betriebssystem auf dem eigenen Smartphone zu installieren müssen vorher alle wichtigen Daten auf dem Telefon gesichert werden.
  2. Das Smartphone rooten, sich als Administratorrechte verschaffen: Dazu wird meist eine Sicherheitslücke bzw. eine Backdoor für Entwickler ausgenutzt über die sich der Benutzer Administratorrechte auf seinem eigenen Telefon verschaffen kann. Root ist bei Unix Betriebssystemen der Administrator. Einige Hersteller darunter Motorola und Sony machen es ihren Benutzern sehr einfach die Gewalt über ihr Telefon zu übernehmen. Auf ihren Internetseiten sind Schritt für Schritt Anleitungen zu finden.
  3. Anschließend wird meist das Android Betriebssystem und die dazu passenden Google Apps auf der SD Karte des Telefons gespeichert.
  4. Wenn das Telefon wieder heruntergefahren ist, wird es per USB an den Comupter angeschlossen, der dann den Bootvorgang über eine Konsole fernsteuern kann.
  5. Durch eine spezielle Tastenkombination wird das Telefon nach dem Neustart vor dem Laden des Betriebssystems angehalten. Jetzt kann das herstellereigene Android-Betriebssystem gelöscht und die freie Open Source Alternative installiert werden. Mit der richtigen Anleitung (die hat mich glücklich gemacht) kann das Befreien des eigenen Telefon von den vorgegebenen Bedingungen des Herstellers in 1 Stunde erledigt sein.

Der erste Neustart dauert in der Regel recht lange weil eine ganze Reihe an Einstellungen konfiguriert werden müssen. Danach präsentiert sich das Smartphone wie kurz nach dem Kauf d.h. alle Mail-Accounts müssen neu eingerichtet werden und alle Apps neu installiert werden.

Ab jetzt hat der Nutzer die Macht über sein Telefon übernommen. Die Entwicklergemeinde von CyanogenMod stellt nahezu jeden Tag eine neue Version ihres Betriebssystems bereit. Jedes gewünschte Update, das entweder neue Funktionalitäten oder auch einfach nur Sicherheits Updates beinhaltet, kann auf dem Telefon mit Hilfe der App ROM Manager installiert werden. ROMs nennt man die für das Telefon geeigneten Betriebssystemversionen.

Bei der Befreiung des Androids geht es wie so häufig bei der Installation Freier Software um die Emanzipation des Nutzenden, die viel zu häufig und viel zu unhinterfragt den großen Internetkonzernen und Geräteherstellern überlassen wird. Die gelebte Bevormundung wird als eine besondere Form der Hilfe seitens der Hersteller wahrgenommen. Aber der große Unterschied zwischen den beiden Betriebsystem-Platzhirschen Android und iOS ist die Lizenz. Während das eine Betriebsystem mich nur als Besucher empfängt, gibt mir Android die Möglichkeit meinen ständigen digitalen Begleiter selbst zu gestalten und damit zu kontrollieren. Und leider lassen sich die meisten Benutzer noch viel zu sehr von ihren eigenen technischen Geräten beherrschen.

Bei diesem Artikel handelt es sich um ein Crossposting. Der Beitrag erscheint zeitgleich im Medienpädagogik Praxis Blog und steht unter einer CC BY-SA-Lizenz. Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: “CC BY-SA-Lizenz, Autor: Guido Brombach”.

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  1. Android – Rechtfertigung für einen Ausstieg on 8. November 2012 at 17:18

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Worum gehts hier?

@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

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