Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Gemeinsam statt einsam

Kinder gemeinsam am Computer

Kinder gemeinsam am Computer

CC by Sam Howzit (flickr)

Der PC verschwindet in den persönlichen Räumen seiner Nutzer und wird dort hinter verschlossenen Türen benutzt. Sollte in der Schule ein PC Raum vorhanden sein, gleicht auch dieser eher einem Sprachlabor als einem Gruppenraum. Wenn Eltern mal eine Pause von ihren Kindern benötigen, wird häufig der Fernseher eingeschaltet. Bei einer solchen Mediensozialisation über den Schutz der Kinder nachzudenken klingt nachvollziehbar, weil selten der PC in die soziale Interaktion integriert ist, sondern die Kinder per default mit den Medien alleingelassen werden. Die gerade aufkommenden Tablets könnten einen solchen Nutzungswandel befördern. Sie eignen sich um die digitalen Medien in die Gruppenarbeit zu integrieren, ein entsprechendes Konzept dazu nenne ich embedded Media.

Aber Medien werden durchaus auch in soziale Kontexte eingebettet, z.B. bei sportlichen Großereignissen, versammelt man sich in größeren Gruppen vor den Leinwänden, dabei rückt das Medium zwangsläufig zwischen die Menschen und nicht vor sie. Auch die Wii läßt Spielkonzepte zu, die Gemeinschaft erforderlich macht. So trifft man sich zum gemeinsamen Spieleabend, um im Kreise seiner Bekannten Singstar und andere bildschirmorientierten Medien zu spielen. Das Radio ist auch klassischerweise ein Medium, das sich in unseren Alltag einbettet, hat jedoch keinen Bildschirm und ist so schwer vergleichbar.

Wer seine Kinder vor den Bildschirm abschieben will, der sollte über Schutzräume nachdenken, wer jedoch den Bildschirm in eine soziale Interaktion einbettet, der sollte sich Gedanken darüber machen, wie entsprechende Räume zu gestalten sind. Hier ein paar konkrete Vorschläge:

  1. In Schulen müssen Rechner als Lerninseln in die Klassenzimmer. So ist garantiert, das sich dort nicht jeder vor seinen eigenen PC verkriechen kann. Lehrer sollten Gruppenarbeiten organisieren, in denen die Schüler den PC als Produktionsmaschine und nicht als Informationsmaschine erleben. Konkrete Beispiele findet man unter pb21.de
  2. Her mit den Laptops. Das gilt auch für das familiäre Umfeld. So kann die Nutzung des PCs in die Interaktion integriert werden. Bildschirme sind keine Babysitter, sondern Kommunikationsermöglicher.
  3. Eigene Infrastrukturen erbauen. Konkret: Die SchülerInnen der Friedensschule haben eine Schwäche für das Chatten, wahrscheinlich nicht nur sie. Sie bekamen die Empfehlung sich per IRC einen eigenen Chatroom, womöglich passwortgeschützt, einzurichten.
  4. Admin werden: Wer fremde Dienste nutzt und diese nicht versteht, wird weniger Verantwortung für das Ganze übernehmen können, als wenn die Infrastruktur selbst betrieben wird. Das gilt auch für das Kindernetz, in dem letztendlich kommerzielle Unternehmen für den Schutz der Kinder sorgen. Ein wenig geht es auf den Aufruf von Mercedes Bunz zurück.

Die obengenannten Projekte gehen davon aus, Infrastrukturen gemeinsam zu verwalten, und diese nicht in die Hände der “Großen” Wissenden zu legen. Leitmedienwechsel heißt eben auch Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen. Das war sicherlich zu Zeiten der traditionellen sendenden Medien noch anders, da sie keinen Gestaltungsspielraum offerierten. Die diversen Jugendstudien haben gezeigt, dass viele Jugendlichen zwar reflektiert mit ihren Daten umgehen können, aber nicht das System als solche verstehen. Der PC ist eine Universalmaschine. Sie wird jedoch in ihrer Nutzung immer stärker auf das www reduziert. Diesen Fehler machen auch die Jugendschützer. Aus meiner Sicht ist gemeinsam statt einsam alternativlos. Es muss nicht gesagt werden, dass die Jugendlichen bei dem Bau ihrer eigenen Infrastrukturen zu unterstützen sind.

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Worum gehts hier?

@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

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