Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Makey Makey – Erste Erfahrungen mit dem Erfinden

Der Makey Makey wurde von 2 Studenten am MIT Media Lab ausgedacht. Nach einer erfolgreichen Kickstarter Kampagne wurden schon bald die ersten Exemplare ausgeliefert. Der Makey Makey ist eine kleine Platine, mit der Tastaturbefehle durch externe Quellen, die den Strom leiten, übernommen werden können. Kling kompliziert? Ich sage mittlerweile immer, so richtig gut kann ich es nicht erklären, es sei denn man sieht es:

Einsatzszenarien

Moderationskoffer Internet

13737268454_0258c79bcc_zIm Rahmen der Referenten-Akademie des ÖGB in Wien habe ich den Makey Makey zum ersten mal im Seminar eingesetzt. Es ging um den Einsatz digitaler Medien in der Bildung. Ziel des Einsatzes war, für die Formbarkeit der digitalen Tools zu sensibilisieren. Die Teilnehmenden sollten nicht die pädagogischen Anforderungen an das Werkzeug anpassen, sondern sie sollten umgekehrt pädagogische Anforderungen an das Tool formulieren und anschließend mit dem Makey Makey umsetzen. Der Makey eignet sich sehr gut dazu, weil er selbst kaum fertige Lösungen mitbringt. In jedem Fall müssen die Bananenklemmen mit dem eigenen Körper (als Erde) und mit dem zu interagierenden Gegenstand verbunden werden. Diese handwerkliche Auseinandersetzung fördert sofort auch den Mut, sich an andere Probleme zu wagen. Der Makey bietet keine komplexen Funktionalitäten. Er ist nur ein Transmitter zwischen Mensch/Gegenstand und Maschine.

Medienprojekt im Sommersemster 2014

Eine Gruppe von Studierenden hat sich im letzten Sommersemester über den Makey Makey hergemacht. Sie haben eine Möglichkeit gesucht, um möglichst viele Gegenstände an den Makey anzuschließen, die Grundschüler_innen dabei helfen sollten, Buchstaben zu lernen. Wer also die Banane berührte schrieb ein B, werden den Affen anfasste schrieb ein A, usw. Dazu habe sie zum einen ein kleines Programm geschrieben, zum anderen eine spezielle Knete entwickelt, die mit gängigen Küchenzutaten zusammengerührt werden kann. Ansonsten bleibt eigentlich nur, Play-Doh zu nutzen, weil es eine der wenigen Kneten ist, die den Strom leiten und das ist letztendlich das ganze Geheimnis des Makey.

Medienprojekt an einer Hauptschule in Bochum

Vor ca. 2 Monaten haben wir ein Medienprojekt in einer Hauptschule mit 60 Schüler_innen durchgeführt. Auch dort gab es eine ziemlich große Makey Makey Gruppe von über 20 Schüler_innen, die sich 4 Geräte geteilt haben. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch gedacht, dass der sinnvolle Einatz in jedem Fall eine Internetverbindung voraussetzt. Wer das vorgesehene Howto des Media Labs durchlaufen will, wird auch nicht drum rum kommen, aber in unserem Fall gab es kaum (bis auf eine 3G Handy Verbindung) Internet. Heute weiss ich, dass es viele tastengesteuerte Spiele auch als Download-Variante gibt. Daniel Seitz hat dazu ein Etherpad aufgesetzt, aus dem ich jetzt mal den Teil kopiere, in dem die downloadbaren Spiele zu finden sind:

Medienpraxisabend für Eltern

Als nächstes wird der Makey während eines Elternabend an einer Grundschule zum Einsatz kommen. Der Elternabend ist so konzipiert, dass die Eltern die Technologien ausprobieren können, mit denen ihre Kinder kreativ werden können.  Dazu hat eine Studierendengruppe des Medienprojektes aus dem Wintersemester ein Setting konzipiert, bei dem die Eltern zu Erfinder_innen werden können.

Seminar zur Zukunft der Arbeit

Am Sonntag fängt ein weiteres Seminar an, in dem der Makey wiederum zum Einsatz kommen wird. Es ist zum ersten mal ein Seminar der politischen Bildung. Es geht um die Zukunft der Arbeit. Die Teilnehmenden werden an einem Nachmittag einen Prototypen entwickeln. Der Prototyp sollte helfen, die Interaktion zwischen Computer und Menschen zu verbessern. Da die meisten Menschen schon immer besser innerhalb der stofflichen als in der digitalen Welt interagieren konnten, werden sie sicherlich auch Ideen haben, wie zukünftige Eingabegeräte gestaltet sein sollten. Im Zusammenhang mit dem Thema soll der Makey helfen, die Wichtigkeit von Prototypen für die Umsetzung einer guten Idee zu verdeutlichen. Der Makey hat eine erfolgreiche Crowdfunding Kampagne hinter sich und dazu war ein Prototyp notwendig, der möglichen Geldgebern die Funktion verdeutlichte. Die Investoren waren bzw. sind im Crowdfunding immer auch die Konsumenten, wodurch nur solche Produkte, die auch eine Nachfrage finden, eine Finanzierung sichern können.

Zusätzliche Materialien

Wer den Makey im Seminar einsetzen will, braucht neben der Platine noch ein paar andere Hilfsmittel:

  • 10 m Kabelrolle. Ich empfehle sehr dünnes Kabel, wie es auch schon beim Makey in unzureichender Menge beiliegt. Vor allem, wenn man Räume interaktiv machen will, kommt man um lange Kabel nicht rum.
  • Weitere Bananenstecker. Auch davon gibt es zu wenig im Starterpaket
  • Knete von Play-Doh wegen der Leitfähigkeit, oder aber ihr versucht das Rezept der Studierenden zusammen zu mischen
  • Alufolie hilft, Flächen leitfähig zu machen
  • Erdungsarmband. Ohne Erde wird das Makey nicht funktionieren. Bei den bisherigen Einsätzen hat sich gezeigt, dass Armbänder, das Stück Bequemlichkeit garantieren, dass nicht von der kreativen Energie abfließen sollte

Das Highlight zum Schluss

Nachdem Ralf Applet in der FB-Gruppe Medienpädagogik nach Erfahrungen zum Makey Makey fragte und ich mir vornahm einen Blogbeitrag dazu zu schreiben, habe ich ein wenig tiefer nach Projekten geforscht und bin dabei auf dieses großartige Spiel gestoßen, dass mit dem Makey umgesetzt wurde:

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  1. Medienpraxisabend | Dotcom-Blog on 25. November 2014 at 17:51

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Worum gehts hier?

@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

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