Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Twitter: Wenn das Fernsehn einen Rückkanal bekommt

Dank eines Beitrags von Thomas Pfeiffer alias codeispoetry fange ich an mir Gedanken über das Fernsehn zu machen. Ich selbst bin manchmal auch ein TV-Twitterer. Grundsätzlich handelt es sich aber um den schon lange erwünschten Rückkanal im TV. Zu Zeiten, als man noch in der “Öffentlichkeit” zusammen fern sah, war die Kneipe mit dem Fernseher der Ort des öffentlichen Diskurses zu Politischem, Sportlichem etc.. Durch den Rückzug der Sendegeräte in die Wohnzimmer hat sich die durch Medien gestiftete Kommunikation lange auf die großen Abendshows im öffentlich-rechtlichen am “morgen danach” bezogen. Auch Großereignisse wie Fussballweltmeisterschaften oder Olympische Spiele stifteten eine solche kollektive Identität durch ihre gesammtgesellschaftliche Aufmerksamkeit und den damit verbundenen Diskurs. In Folge einer immer weitergehenden Zersplitterung, verbunden mit der Zulassung des Privaten Rundfunks als 2. Säule des dualen Rundfunksystems, können Medien nur noch selten diese kollektive Identität herstellen, die aus meiner Sicht äußerst wichtig ist für eine emanzipative Öffentlichkeit. In ihr sind Medien Werkzeuge der Auseinandersetzung mit Werten, aber auch der Meinungsbildung.

Durch Twitter wird wieder ein solcher Rückkanal geschaffen. Menschen treten aus ihren Wohnzimmern heraus und organisieren Diskurse über Medien. Die Blogpiloten hatten darüber schon im Zusammenhang mit der US-Wahl geschrieben, hier wurde Twitter als Backchannel in das Fernsehduell Obama/McCain mit eingebunden. Das ist natürlich noch einen Schritt weiter, aber das bei getwitter 3 Tage infolge TV-Sendungen zu den meistgetwitterten Tags gehört, macht doch den Bedarf für eine emanzipative Öffentlichkeit deutlich. Ich halte das auch weniger für ein Problem, als vielmehr für eine Chance, wieder medienkritischer zu werden, auch wenn man sich nicht unbedingt ständig mit Medien beschäftigt. Dabei tritt das TV-Format selber in den Hintergrund und die Beschäftigung mit den Meinungen und Wahrnehmungen der Anderen viel stärker in den Vordergrund ob bei #dsds oder #tatort.

Der Fokus auf die gewaltverherrlichenden Computerspiele im Fall Winnenden macht doch deutlich, dass hier ein riesiger Bedarf zu decken ist, der wir Pädagogen gerne Medienkompetenzen nennen und damit nicht die technischen Fertigkeiten zur Nutzung verstehen, sondern die soziale Einbettung und Nutzung. Hier ist eine Beschäftigung mit Medien nötig, die reflexiv vorgeht. Fernsehtwittern bietet sicherlich solche Möglichkeiten, wenn man nicht nur die eigene Timeline, sondern wie bei Tweetdeck u.a. möglich auch nach Tags suchen kann um sich auf Nicht-Follower zu beziehen.Der aktive Umgang mit Medien kann nicht ernst genug genommen werden. Es wird Zeit, dass die Rückkanäle genutzt werden um “sich seine Meinung nicht bilden zu lassen”.

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@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

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