Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Medienkompetenz im Vergleich: KIM vs. JIM Studie

Privacy-einstellungen JIM Studie

Die KIM Studie untersucht das Verhältnis von 6 – 13 jährigen Kindern zu Medien, Computer und Internet. Die JIM-Studie tut etwas ähnliches mit Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren. Schon letztes Jahr habe ich mir die JIM-Studie angeschaut, vor kurzem bin ich über die KIM-Studie gestolpert und möchte jetzt einige Erkenntnisse der beiden Studien hinsichtlich des Umgangs mit dem Internet zusammenführen:

KIM-Studie Kommentar JIM-Studie
JIM-Studie. Liebste Freizeitaktivitäten 

KIM-Studie, S.11

Das Gerücht, die (digitalen) Medien würden das Spielen der Kinder drinnen und draussen verdrängen ist dadurch entkräftet. Die Frage, was die Kinder dann drinnen oder draußen machen ist natürlich noch offen. Es sollte aber auch einbezogen werden, dass die Kinder in der Regel häufiger als früher ein Betreuungsangebot nach der Schule wahrnehmen, wodurch die Zeit zur freien Verfügung deutlich eingeschränkt wird. Leider gab es in der KIM-Studie keine Frage, die bei den Freizeitaktivitäten die Medien miteinbezog. Dort wurden die beiden Bereiche non-mediale Freizeitaktivitäten von denen,mit Einbezug von Medien unterschieden. Siehe S. 9/10 und 11/12
KIM-Studie Mediennutzung alleine 

KIM-Studie, S. 12

Je älter die Kinder werden, umso mehr werden sie mit den digitalen Medien auch alleine gelassen. Das hängt sicherlich auch mit der Lesefähigkeit zusammen, dennoch ist eine Altersbeschränkung ab 6 Jahre zumindest bis jetzt im Internet zu vernachlässigen, weil zu wenig Kinder alleine im Internet surfen und das ist auch richtig so. 

Wird gemeinsam mit den Eltern gesucht, bedient zu 38 Prozent das Kind den Computer, bei jedem Dritten sitzt die Mutter am Rechner (34 %) bei jedem Zehnten der Vater (11 %). Bei 17 Prozent wechseln sich Kinder und Elternteil ab.” (KIM, S. 40)

Wichtigkeit der Medien im Tagesablauf 

KIM-Studie, S.13

Beide Untersuchungen stellen einhellig fest, dass das Internet im Tagesverlauf eine eher untergeordnete Rolle einnimmt. In der KIM-Studie steht: “Das Internet findet im Vergleich zu anderen Medien nur wenig Berücksichtigung im Tagesablauf”. Bei den Jugendlichen wird zumindest während des Lernens das Internet benutzt, ansonsten findet es eher Verbreitung und Nutzungsansätze in der Freizeit, was sicherlich damit zusammenhängt, dass das Internet in der Schule so gut wie gar nicht vorkommt, wie die KIM-Studie zeigt. Bei den Jugendlichen wird das Internet vor allem dann benutzt, wenn sie alleine sind. Im Tagesablauf ist das Internet nur beim Lernen wichtig. Zusammen mit Freunden spielt vor allem der MP3-Player und das Handy eine große Bedeutung (JIM-Studie, S.14-15)
“Während bei den Sechs- bis Siebenjährigen nur jeder Zweite schon Kontakt mit dem Computer hatte, nutzt bei den ältesten der befragten Kinder fast jeder zumindest selten einen Computer” (KIM-Studie, S. 25) Es geht also schon längst nicht mehr um die Sicherung des Zugangs bzw. die technische Bedienung. Jeder der Kinder und Jugendliche weiss, wo der PC einzuschalten ist und wie man den Browser startet. Andere Fertigkeiten müssen jedoch im folgenden näher angeschaut werden Auch die JIM Studie konnte bei der Abfrage nach der Geräte-Ausstattung im Haushalt feststellen, dass 100% in Besitz eines Computer/Laptop waren (JIM-Studie, S.6)
Nutzungsfrequenz des Internets von Kindern 

KIM-Studie, S.26

Je älter die Kinder/Jugendlichen, desto stärker integriert sich das Internet in ihren Alltag. Bei den über 13 jährigen ist das auf der rechten Seite bei der JIM-Studie am deutlichsten zu beobachten. Dabei ist wichtig zu wissen, dass das Internet fast ausschließlich im Freizeitbereich genutzt wird, in der Schule spielt es so gut wie gar keine Rolle, wobei sich natürlich fragen lässt, ob dann nicht Schule an dem Alltag der Jugendlichen vorbei arbeitet? 

Noch nachdenklicher stimmt ein Zitat aus der KIM-Studie:

“Häufig wird der Computer von Kindern auch als Arbeitsmittel eingesetzt: knapp jeder Zweite verwendet den Computer für die Schularbeiten (49 %), schreibt Texte oder Wörter (45 %) oder sitzt vor einem Lernprogramm (42 %).” (KIM-Studie, S. 26)

 

Nutzungsfrequenz des Internets von Jugendlichen 

 

Lieblingsseite im Internet 

KIM-Studie, S. 33

Ein direkter Vergleich ist leider nicht möglich, da die JIM Studie die Computernutzung nach unterschiedlichen Dimensionen aufgeteilt hat. Es zeigt sich nur, dass die Netzwerke für die Kinder, wie für die Jugendlichen eine sehr hohe Bedeutung haben. Die KIM-Studie zeigt allerdings auch, dass die Nutzung solcher Netzwerke erst mit zunehmendem Alter an Bedeutung gewinnt.  

JIM-Studie, S. 30

KIM-Studie: Im Internet hinterlegte Informationen 

KIM-Studie, S. 36

Zwangsläufig lassen sich natürlich keine Rückschlüsse von der Menge der hinterlegten Informationen auf Privacy-Optionen vornehmen, dennoch hat die KIM Studie genau das gemacht und kommt zu dem Schluss: 

“Datenschutz ist ein Thema, dass Kindern eher schwer zugänglich erscheint. Hier Kinder verständlich auf die Gefahren hinzuweisen und zu einer sicheren Nutzung entsprechender Angebote anzuleiten, ist eine vordringliche Aufgabe.” (KIM-Studie, S.36)

Erst ein Blick auf die Privacy-Optionen wie in der JIM-Studie lassen vermuten, ob die Kinder nicht vielleicht doch reflektiert mit ihren Daten umgehen.

Privacy-einstellungen JIM Studie 

JIM-Studie, S. 45

Weitere Auffälligkeiten der KIM Studie

“Die Differenzierung der Altersgruppen zeigt mit zunehmendem Alter eine deutliche Entwicklung weg vom Fernseher und hin zum Computer” (KIM-Studie S.15)

KIM-Studie: Probleme mit dem InternetAus der Perspektive der Kinder scheint es nur sehr wenige Inhalte zu geben, auf die sie beim Surfen im Internet getroffen sind, die ihnen Angst, bzw. Unbehangen bereitet. Wesentlich interessanter an dieser Grafik ist die Einschätzung der Kinder, was ihnen unangenehm war im Vergleich zu “war für Kinder nicht geeignet”. Es gibt offensichtlich Inhalte im Netz, die Kinder als neutral empfinden, obwohl sie ihrer Einschätzung nach nicht für sie geeignet sind. Man könnte mutmaßen, dass die Kinder solche Inhalte bewußt aufgesucht haben. Es ist meiner Erfahrung nach nicht möglich über Gewalt- und Hoorovideos im Netz zu stolpern, sie sind das Ergebnis einer bewußten Recherche. Die Autoren der KIM-Studie kommen jedoch zu dem erstaunlichen Schluss: “Vor der Konfrontation mit ungeeigneten Inhalten kann zumindest zum Teil die Installation eines Filters helfen, der problematische Inhalte blockiert.” (KIM-Studie S.39) Offensichtlich wurden die Kinder auch danach befragt, ob der heimische Rechner mit einem solchen Filter versehen ist. In der Studie ist dazu zu lesen “Doch ist bedenklich, dass nach eigener Einschätzung bei über drei Vierteln der Kinder, die das Internet nutzen, keine Sicherungsmaßnahmen getroffen sind.” (KIM-Studie, S.39), wobei auch noch eingeräumt wird, dass “nicht alle Sicherheitsmaßnahmen vom Kind auch als solche wahrgenommen” (KIM-Studie, S. 39) werden. Mit Sicherheit würde eine staatliche Fürsorge im Rahmen des Jugendschutzes, dass Filter für Kinder verbindlich einführt nicht dazu führen, dass diese Inhalte nicht doch aufgesucht werden, wirklich geholfen wäre nur den 3-4% die auf Inhalte gestoßen sind, die ihnen Angst gemacht haben.

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@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

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