Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Openwashing

CC BY 2.0 by tinou bao (flickr)

Ich hatte ja schon über das Open geschrieben und auch darüber, wie problematisch das Vermeiden einer klaren Definition von Open ist. Es ist eben keine Frage der Haltung, sondern die einer klaren Definition. Gestern bekam ich eine Mail, die mich alarmierte.

Vidipedia schrieb mir gestern eine E-Mail und machte keinen Hehl draus, dass die TN-Liste der OERde13 angezapft hätten.

wir kommen auf Sie zu, da wir durch die Teilnehmerlist der OER Konferenz am 14. und 15. Oktober auf Sie aufmerksam wurden.

Dann rollen sie ihre Grundidee aus:

Wir möchten mit Vidipedia ein kostenloses Videobildungsportal zu unterschiedlichsten Gebieten schaffen und Vidipedia letztlich in der Internetwelt etablieren. Dabei versuchen wir mit dieser Idee, geistiges Eigentum zu teilen, um auch somit das Bildungsniveau in der Gesellschaft zu steigern. Unsere Seite richtet sich an alle, die ihr Wissen erweitern, ihr Know-How teilen, Netzwerken oder sich einfach präsentieren möchten. Bei uns kann man sich also in Form von Videos fortbilden, ohne Gebühren dafür zu bezahlen.

Sie schreiben hier zwar nicht dabei, dass kostenlos=open wäre, aber die Anlehnung des Namens an die Wikipedia gibt eine Reihe Assoziationen frei, dass es sich um ein ähnliches Anliegen handeln würde.

Als nächstes macht sich die Unternehmung über die Zielgruppe der OERde13 her. Wer war da? Menschen, die sich für Bildung interessieren und in den meisten Fällen auch aktiv im Internet wirken. Also sich zumindest mit der Frage beschäftigen, Materialien im Netz zu veröffentlichen. Vidipedia richtet sich in dieser Mail vor allem an “Videoersteller/ Tutoren/ Autoren”. Alle sollen sie ihr Wissen auf der Plattform öffentlich teilen. Die Nutzenden können direkt Fragen stellen und mit den Erstellern in Kontakt treten. Was will man mehr?

Dann erklären sie die Unterschiede zu anderen Videoplattformen:

1. Reiner kostenloser Wissenskanal

2. Frage stellen und Antwort über Video erhalten.

3. Vergütung für die Tutoren

Vergütung für Autoren? Sie scheinen ein Geschäftsmodell für den OER-Bereich gefunden zu haben. Das hat Zukunft, damit sind sie die Ersten!

Die Vision:

Steigerung bzw. Förderung des Bildungsniveaus! Getreu dem Motto: Lernen macht Spaß!

Die Mission:

Schaffung eines kostenlosen Bildungsportals

Und damit kommen wir auch schon fast am Ende der Mail an. Jetzt wird der Bezug zu OER und Creative Commons klargestellt:

Zum Start der Seite war uns das Thema OER kein Begriff. Durch die Konferenz in Berlin sind wir erst darauf aufmerksam geworden. Wir wollen in Zukunft auch die Möglichkeit bieten Videos mit Creative Commons Lizenzen ein zu stellen, die dann, auch offiziell, auf der Seite herunter geladen werden dürfen um diese Materialien dann im Unterricht und im Rahmen des Lehrauftrag zu verwenden. Dieser Punkt muss aber noch an vielen Stellen (technisch wie rechtlich) geklärt werden. Hierbei wollen wir direkt Abstand vom „O“ nehmen, aber das „E“ und das „R“ besonders großschreiben. Die Distanzierung vom offenen Content begründen wir damit, dass der Autor des Materials bei uns eine Plattform finden soll, auf der er sich und sein Wissen präsentieren kann und nicht das verbesserte Wissen dritter einstellen soll.

Sie nehmen Abstand vom O. Und werten das verbesserte Wissen Dritter ab. Kann man machen. Aber mit Open hat es dann auch nichts mehr zu tun. Denn was beleibt von OER ohne O? ER= Educational Ressources. Sie wollen das sogar im Rahmen der CC Lizenzen tun. Was ja auch möglich ist mit der nd-Attribution. Das OER Umfeld ist bestimmt von vielen aktiven und Sharing-affinen Menschen. Dass solche Unternehmungen an sie herantreten ist dabei nachvollziehbar, um die eigene Plattform mit Content zu füllen. Es hat jedoch mit OER nichts zu tun, auch wenn eine CC-Lizenz an den Werken haftet. Es handelt sich hierbei eher um subtiles Openwashing. Und es zeigt, dass es nicht um die Haltung geht, sondern um eine klare Grenze und so lange sich die OER-Community darüber nicht einig ist, wird OER in Zusammenhängen verwendet, die Bildung nicht besser macht, sondern alte Konzepte unter digitalen Vorzeichen reproduziert.

Beispiele gibt es viele. Eines davon ist epub3, ein offener Standard zur Erstellung von E-Books. Das macht aber noch lange nicht die Produkte selbst offen, auch wenn eine offene CC By Lizenz darangeklebt wird. Es bleibt den Menschen vorbehalten, die zum Beipsiel den iBooks Author zur Erstellung benutzen. Anschließend ist es dann auch nur im angeschlossenen iBook-Store kostenlos herunterzuladen und auch nur mit Apple-Geräten zu lesen. Auch die mögliche Anpassung und Verändeurng des Buches ist nur mit Apple-Geräten möglich. Openwashing, würde ich das nennen. Aber das ist natürlich alles eine Frage der Definition und der Haltung.

In dem ersten Fall geht es um die Möglichkeit, das Werk anpassen zu können, zum Beispiel durch einen Untertitel, weil das Video auf englisch ist, in dem anderen Fall geht es um die Zugänglichkeit. All das ist aber nicht erwünscht. Aber alle kokettieren mit der Offenheit ihrer Materialien.

1 Kommentar

  1. 26. September 2013    

    Ja, guter Punkt – wir sollten http://opendefinition.org/ erweitern bzw. selbst – nein, wir sollten tatsächlich zentral an einer Definition arbeiten, die “in relation to data and content.” auf education erweitert..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Worum gehts hier?

@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

Podcast abonnieren

%d Bloggern gefällt das: