Halle politcampNa eigentlich ist es ja keine Tagung sondern ein Camp gewesen, ein Barcamp und die sind offen. Jeder kann kommen, zumindest solange die Location groß genug ist und jeder kann vortragen. DEN Experten gibt es nicht. Nur selten handelt es sich um Vorträge, in den meisten Fällen geht es um Meinungs- und Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe. Die Konzeption ist dabei unabhängig von der Anzahl der Teilnehmer. Am 02. und 03. Mai hat das Politcamp in Berlin im Radialsystem stattgefunden. Angemeldet waren 617 TeilnehmerInnen, gekommen sind ca. 570. Auf die Frage, wo es den einen Vortragsplan gibt, wurde auf die Sessionplanung zu Beginn eines jeden Tages verwiesen. “Ob das mal gut geht, waren häufig die Antworten”. Nach dem Sessionaufruf im Internet war mir bange zum einen was die Kapazitäten der Räume anging, also auch was die vorgesehenen 30 Minuten zur Planung des Tages betraf, aber seht selbst, es funktionierte (ab der 19. Minute beginnt die Sessionsplanung). Das Ergebnis konnte sich sehen lassen:

In unvermutet lockerer und prägnanter Form konnte der Sessionplan gefüllt werden. Dabei entsprach die Form dem Ziel: Jeder der etwas thematisieren wollte, sollte das auch tun können.

“Politiker” waren auch jede Menge da und fanden, dass das Veranstaltungsformat dem postulierten Veranstaltungsinhalt entsprach: Digitale Kommunikation über politische Themen trägt zur Demokratisierung bei, das konnte erlebt werden.Twitterwall politcamp09So konnten die Politiker gut mit der Twitterwall leben, haben sich sogar darauf in ihren Statements bezogen und sind so auf die Fragen der Zuhörer, aber auch auf ihre Polemiken eingegangen. Es war möglich wenn auch nicht direkt, so doch über einen Kommunikationsdienst wie Twitter vermittelt mit den Politikern zu reden. Der Wahlkampf selbst spielte auf dem politcamp keine große Rolle, über die Strategie spricht man nur im Nachhinein, wie z.B. bei der Session zur Analyse der Onlineaktionen zum Hessenwahlkampf. Dennoch könnte es als ein mutmachendes Zeichen gesehen werden, dass in Wahlkampfzeiten solche Veranstaltungen nicht des Wahlkampfes wegen besucht werden. Es sagt allerdings auch nichts darüber aus, ob es sich nicht wie schon 2005 um ein digitales Strohfeuer handelt, sondern um eine neue politische Kultur der Transparenz. Der Optimismus stirbt zuletzt.