Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Selbstkontrolle statt JmStV

Es geht um den geplanten Jugendmedienschutzstaatsvertrag. Demnach soll es für Webseiten Alterseignung geben, die dann mit entsprechenden Verfahren von den Eltern zu Hause umgesetzt werden können. Am 04.11. ist die Anhörung im Medienausschuss des Landtags in NRW. NRW scheint das einzige Bundesland zu sein, in dem eine Mehrheit gegen den Staatsvertrag organisiert werden kann. Wenn noch Argumente gesucht werden, hier wäre noch eins:

Während auf der Strasse jedes Auto eine potentielle Gefahr  (letzter Artikel dazu) darstellt, ist das Internet ein vergleichbar harmloser Ort. Vor allem das unvorhersehbare Ergebnis von Suchmaschinen stellt ein Problem bei jugendgefährdenden Inhalten da. Um jugendgefährdenden Inhalte nicht allgemein zugänglich zu machen, haben deshalb schon vor Jahren alle gängigen Suchmaschine eine freiwillige Selbstkontrolle unterschrieben.

Ich habe mal mit einem Chrome-Browser ein paar Screenshots gemacht und ein kleines Howto (odt, pdf) geschrieben, wie man bei Google, Yahoo und Bing die Suchmaschinenergebnisse kinderfreundlich machen kann.

Ich habe bei Google nach dem Wort “Sex” gesucht. Dabei hatte ich den strikten Safe-Search-Filter eingeschaltet. Hier das Ergebnis:

Suche mit Filter Safe strikt

Bei dem Begriff “Porno” sieht es noch kinderfreundlicher aus:

Suche mit Safe Search strikt

Sobald die Einstellungen von strikt nach moderat (empfohlen) verschoben werden, werden die Ergebnisse deutlich moderater. So moderat, dass ich sie in diesem äußerst kinderfreundlichen Blog nicht mehr posten kann.

Ich habe als nächstes Yahoo getestet. Auf der Yahoo Startseite kann man direkt keine entsprechenden Einstellungen vornehmen, erst auf der Suchseite gibt es ein Link zu den Einstellungen, siehe Howto. Dort habe ich die Einstellungen auf “Familienfilter AN” geändert und erhalte folgendes Suchergebnis zu “Sex”:

Suchergebnis Yahoo

Es zeigt, dass der Filter nicht so gut funktioniert wie bei Google. Hier werden eine Reihe an erotischen Partnerbörsen gelistet mit einer Reihe an eindeutigen Bildern. Bei dem Suchwort “Porno” funktioniert der Filter wiederum besser als bei Google, zum einen werden Suchergebnisse ausgegeben und zum anderen sind die auch recht harmlos, zumindest auf der ersten Seite:

Suchergebnis bei Yahoo

Als letztes habe ich die Suchmaschine Bing getestet. Die Einstellungen für SafeSearch sind leicht vorzunehmen. Die Ergebnisse für das Wort “Sex” (ich bin mir nicht sicher, ob mit diesem Link auf die Filtereinstellungen übergeben wurden, nur zur Warnung für alle mitlesenden Kinder) waren zufriedenstellend:

Suchergebnis Bing

Zu guter letzt habe ich auch noch “Porno” getestet. In beiden Fällen hat sich Bing genauso verhalten wie Google, weil beide auch den gleichen Jugendschutzfilter bemühen, SafeSearch. Wenn man der Wikipedia glauben darf, nutzt Yahoo, den Filter auch, kommt aber merkwürdigerweise zu ganz anderen Ergebnissen, das wird wahrscheinlich am Suchindex liegen. Für weitere Aufklärungen wäre ich in den Kommentaren dankbar.

Empfehlenswert ist also, den Filter der Suchmaschinen zu nutzen. Wer der Meinung ist, Kinder könnten den schnell um gehen, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass das mit allen anderen Filtern nicht viel besser ist. So lange Kinder nur für sie geeignete Inhalte sehen wollen, werden sie die Filtereinstellungen auch nicht umgehen wollen. Das Gesetz geht aber davon aus, dass den Kindern und Jugendlichen bei surfen die jugendgefährdenden Inhalten vor die Füße fallen und nur davor kann man sie schützen, wer aktiv nach z.B. pornografischen Inhalten sucht, wird dazu auch Filter ausser Kraft setzen können.

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Worum gehts hier?

@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

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