Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Studie zum Umgang Jugendlicher mit jugendgefährdenden Inhalten

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HMWPEU Kids Online Netzwerk hat eine vergleichende Studie zur Internetnutzung in EU-Ländern herausgebracht. Ich habe mir den Teil der Deutschland betrifft vor dem Hintergrund des JMStV genauer angeschaut und versucht Schlüsse daraus zu ziehen, wie weit es um die Medienkompetenz von Jugendlichen bestellt ist. Schon vor kurzem habe ich dazu die JIM-Studie untersucht, die an einigen Stellen widersprüchliche Aussagen gemacht hat. Die Studie wurde von der Europäischen Kommission im Rahmen des Safer Internet Plus Programms bewilligt und setzt sich vor allem mit der dunklen Seite des Internets im Zusammenhang mit Jugendlichen auseinander. Die Studie soll

eine empirische Basis für politische Entscheidungen zum sicheren Umgang mit dem Internet zu schaffen. (EU Kids Online II, Seite 1)

Damit sei auch allen Politiker_innen die noch über den JMStV entscheiden müssen folgende Analyse nahegelegt.

Zu den Zahlen…

  • Bisher haben nur 9% der 9-10 jährigen und 12% der 11-16 jährigen unangenehme online Erfahrungen gemacht.

    Die Mehrheit hat demnach bisher keine unangenehmen Online-Erfahrungen gemacht. (EU Kids Online II, Seite 1)

  • Vor allen Dingen Kinder aus Dänemark (26%) und Estland (25%) verbinden mit Online Risiken negative Erfahrungen, am seltensten Kinder in Portugal (7%) und Deutschland (8%) (EU Kids Online II, Seite 2). In Deutschland lebende Jugendliche nutzen das Internet aber auch seltener als im europäischen Mittel. Wodurch die Wahrscheinlichkeit sinkt negative Erfahrungen zu machen. Grundsätzlich spielt die Masse der Jugendlichen, die betroffen sind keine Rolle, es darf vor dem Hintergrund des JMStV aber auch nicht der Eindruck entstehen, es handele sich bei der Konfrontation mit unerwünschten Inhalten um ein Massenphänomen unter Jugendlichen.
  • Bei einer konkreten Betroffenheit der Kinder (Erhalt von sexuellen Nachrichten/ sexuellen Bildern), haben 56% der Eltern nichts davon mitbekommen. Die Studie führt das auf eine Unterschätzung der Risiken durch die Eltern zurück, ich glaube, es liegt daran, weil Kinder nicht mit ihren Eltern über einen solchen Vorfall reden können oder wollen. (EU Kids Online II, Seite 2) Im Verlauf der Studie wird auch klar, wer das vorrangige Ventil ist:

    Was tun Kinder, wenn sie von sexuellen oder pornographischen Bildern irritiert worden sind? Immerhin 53% haben beim letzten Mal mit jemandem darüber gesprochen, die meisten (36%) mit einem Freund und 18% mit den Eltern. 24% haben nach dem letzten Erlebnis für eine Weile aufgehört, das Internet zu nutzen, nur einige wenige haben ihre Internet-Filter oder ihre persönlichen Einstellungen (Kontaktdaten) geändert.

    Auch nach dem 01.01.2011 wird die Auslieferung jugendgefährdender Inhalte über das internet nicht zu vermeiden sein. Es sollte uns allerdings zu denken geben, dass 24% der betroffenen sich kurzfristig aus dem Internet zurückgezogen haben. Hier braucht es Gesprächsangebote, nur wenn die Mediennutzung thematisiert wird, besteht die Möglichkeit die Jugendlichen zu stärken.

  • Im Rahmen der Studie wurden Kinder, die das Internet nutzen, zunächst gefragt, ob sie schon Online-Risiken begegnet sind, und in einem weiteren Schritt, ob sie sich durch diese Risiken beunruhigt oder verletzt gefühlt haben. Dazu wurde jeweils gefragt: „Hast du dich nachher unwohl gefühlt, dich geärgert oder hattest du das Gefühl, du hättest das nicht sehen wollen?“ (EU Kids Online II, Seite 2)

    Bei Verärgerung könnte man aber noch lange nicht von Jugendgefährdung sprechen, sondern eben auch von aktiver Auseinandersetzung. Deshalb ist die Frage in der Vorgabe der Möglichkeiten innerhalb der Untersuchung schwierig einzuschätzen

  • Die Untersuchung bezieht sich auch auf negative Erfahrungen, die durch den JMStV niemals geregelt werden würden, wie z.B. Grooming, Cybermobbing. Hinzu kommt, dass die Untersuchung herausgefunden hat, dass Bullying und Mobbing eher off- als online stattfindet.
  • Ein Großteil der 11-16 jährigen hat Strategien entwickelt um mit unerwünschten Inhalten im Internet umzugehen, z.B. ungewollte Nachrichten blockieren (EU Kids Online II, Seite 4)
  • Gegenüber dem europäischen Durchschnitt (31%) nutzen relativ viele Kinder in Deutschland (53%) das Internet über Mobiltelefone oder Smartphones.

    Das deckt sich gar nicht mit den Ergebnissen der JIM Studie, nach der es bei Mädchen 6% und bei Jungen 11% sind. (JIM Studie S. 56)

  • Das Interneteinstiegsalter entspricht mit 9 Jahren dem europäischen Durchschnitt, heißt aber auch, dass das Internet in deutschen Grundschulen so gut wie keine Rolle spielt

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Worum gehts hier?

@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

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