Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Vortragen2.0: Alternativen zu PowerPoint

Warum PowerPoint ein Desaster istAngeregt durch einen Beitrag von Robert Basic, der Zuiprezi entdeckt hat, ein sehr anregender neuer Versuch dem ewig gleichen PowerPoint zu entfliehen, habe ich mir gedacht, dass es doch auch noch weitere tolle Beispiele geben muss, die nicht zuletzt durch das Read-Write-Web katalysiert neue Vortragsformen anbieten. Ausgehend von der These, dass jedes Medium auch ihre Form der Vermittlung prägt, gehört PowerPoint sicherlich noch zu den 1.0-Vortragsunterstützungen. Wie omnipräsent diese Vortragskultur ist, sollte ein Seminar deutlich machen, das Frieder Nake im Rahmen des Hattinger Mediensommers initiiert hatte. In der Ausschreibung hieß es:

“In einer sensationellen Stellungnahme versucht Tufte nachzuweisen, dass der Unfall der Columbus Raumfähre vor einigen Jahren Bezüge im Umfeld der Ingenieure und Designer gehabt haben mag, die der einschläfernden Unaufmerksamkeit geschuldet sind, die von PowerPoint Präsentationen ausgeht.”

und weiter

“Programme der Art, wie PowerPoint eines ist, so lautet unsere Botschaft, verleiten zu einem besonderen Denkstil, ja: erzwingen diesen erst, Er reduziert die Welt aufs einfachste: auf Listen von Stichworten. Kein Platz für Widerspruch mehr, keine Bewegung der Argumentation. Scheinbare Fakten, Mitteilungen als feststehende Behauptungen, Erzeugung und Verbreitung von Ideologie.”

Leider bleibt PowerPoint auch das Benchmark, so hat zumindest ein erster Überblick durch das Netz ergeben. Dennoch gibt es andere, leider mit zuiprezi nicht zu vergleichende Ansätze. Dabei muss man zwischen netzgestützten und lokalen Anwendungen unterscheiden. Bei den lokalen Programmen würde ich noch einmal zwischen den PowerPoint-Clonen und echten Alternativen unterscheiden. Während die Clone letztendlich genauso funktionieren und möglichst ähnlich zum bekannten Marktführer sind, sind die Alternativen Spezialanwendungen mit in der Regel weitergehenden Funktionalitäten:
Lokale Anwendungen Clone:

  • Impress (aus der OpenOffice Suite für Mac, Linux und Windows)
  • Presentation 2008 (von Softmaker für windows und Linux)

Lokale Anwendungen Spezialisten:

  • Mediator (nur für Windows) Geht schon in Richtung Flash, allerdings mit einem Autorensystem, so dass man sich auch ohne Programmierkenntnisse etwas zusammenklicken kann.
  • Keynote (nur für Mac) mit tollen Effekten, das ist zumindest anders als das PPT-Einerlei
  • Freepath (nur für Windows) gibt die Möglichkeit sehr unterschiedliche Medien in einer Zeitleiste miteinander zu verbinden. So können Folien, Links im Browser und Filme nacheinander aufgerufen werden.
  • Let’s focus (nur für Windows) ist eine Moderationshilfe. Es ist vor allem für Tablett-PC’s geeignet. so können TO’s visualisiert und die Ergebnisse und zuständigkeiten direkt im Schaubild festgehalten werden. ganz nett.

Netzgestütze Anwendungen Clone:

  • Zoho
  • Slidestar hier kann man Präsentationen hochladen und mit anderen Folien tauschen.
  • 280Slides nix, dolles, aber zumindest schön aufgeräumt und schnell.

Netzgestützte Anwendungen Spezialisten:

  • Vcasmo löst das Problem, bei Tagungs und Seminardokumentationen entweder dem Vortragenden oder aber seinen Folien zu folgen. Vcasmo synchronisiert beides, so dass auch klar ist, was der Referent zu welcher Folie zeigt und warum das Publikum so lacht.
  • Slideshare ist das Youtube für Vorträge.

Eines ist allen Alternativen zu PowerPoint gemein: Sie sind Linear aufgebaut. Sie fokussieren damit sehr stark auf den Referenten. so wird das Wissen sehr einseitig in die Köpf geballert und gäbe es nicht alle die netten Effekte, wird man nach 2 Minuten aussteigen, es sei denn der Referent ist unterhaltsam oder er trifft die vitalen Interessen auf den Punkt. PowerPoint hat eine Vortragskultur entstehen lassen, die theoretisch ohne Publikum auskäme. Dagegen steckt in Zuiprezi mit seiner Nonlinearität die Aufforderung mitzumachen und der geplanten Vortragslinie zu entkommen. Es gibt eine implementierte Aufforderung an die Zuhörer in den Vortrag einzugreifen. Dabei macht es geradezu Sinn, Präsentationen immer zu erweitern, bis es 100+ Folien sind. Je größer der Pool, umso mehr Publikumsbeteiligung kann visualisiert werden. Ich hoffe, dass man das Programm schon bald testen kann.

Darüber hinaus möchte ich noch auf eine ganz andere Präsentationsmethode hinweisen, die Klaus Knopper auf einem Linuxtag vorgestellt hat, sie zeigt, wie man alle die tollen Desktop-Effekte von Gnome nutzen kann, um es zu einer nonlinearen Präsentation zu bringen:

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@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

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