zero privacy

CC by 2.0 by Wagner Machado Carlos Lemes (flickr)

Privatsphäre meint den uns umgebenden Raum, in dem wird gerne für uns sind und den niemand was angeht. Wer hat es schon gerne, auf der Toilette überrascht zu werden? Deshalb gehe ich nur auf abschließbare Toiletten. Es gibt halt Momente, in denen ist man lieber allein. Es mag Menschen geben, die ihre Privatsphäre vollkommen aufgegeben haben, denen der Moment für sich alleine nicht wichtig erscheint. Aber das häufig von Ignoranten strapazierte Argument “Was solls, ich habe doch nichts zu verbergen” erscheint in diesem Licht eher als die Anwendung des Gegenteils: “Kommt und schaut euch um, wann immer ihr mögt” und jeder der keine Privatsphäre für sich beansprucht, hat was zu verbergen. Privatsphäre ist aber Teil unseres Menschseins und hat so gewendet nicht viel mit Datenschutz zu tun. Wohl aber mit der digitalen Welt. Dort haben wir auch ein Recht auf Privatsphäre. Man mag mir entgegenhalten, dass das Private nicht ins Netz gehört, das gilt aber nur für Menschen, die die digitale von der physikalischen Welt abtrennen können. Die Grenzen sind aber für viele Menschen fließend geworden ohne dass sie sich für internetabhängig halten. Das ist nur deshalb so schwer nachvollziehbar, weil es kein dem Internet vergleichbares Medium gibt. Das ist auch der Grund, weswegen die entsprechenden Vergleiche immer hinken.

Vieles muss neu ausgelotet werden. Mein Eindruck nach einer Aktion auf der A40, bei der wir vorbeikommende Menschen nach ihrer Adresse fragten um diese auf einer Karte zu verorten, so ein wenig Facebook offline (wie gesagt Vergleiche hinken). Die meisten wollten uns ihre Adresse nicht geben. Dabei haben wir keine Datenbank angelegt, sondern nur einen Zettel ausfüllen lassen. Viele rechneten mit unerwünschter Werbung. An dieser Stelle sei gesagt, die Datenskandale der letzten Jahre haben die Menschen offensichtlich so weit verunsichert, dass sie eher handlungsunfähig geworden sind und die Folgen für die eigene Privatsphäre nur schwer abschätzen können.

Das führt in gewisser Weise zu einem Digital Divide. Die Entscheidung mitmachen oder nicht wird häufig zugunsten der pessimistischen, vorsichtigen Argumente entschieden. Es fehlt eine Kompetenz, die Sicherheit der eigenen Privatsphäre einschätzen zu können. Deshalb wird trotz schwindelerregender Nutzerzahlen bei Facebook und Co häufig vergessen, das es einen deutlich größeren Anteil von Usern gibt, für die Google die Browserleiste zum Eingeben von URL’s ist und für die das Internet eine Spielerei bleiben wird und niemals der Ernst des Lebens. Es geht bei diesem Digital Divide weniger um Zugang zum Netz oder nicht und schon gar nicht um breitbandig oder nicht es geht um das fehlende Wissen um zu entscheiden welche Konsequenzen die Teilhabe an einem bestimmten Netzwerk hat, für mich und die mir nahestehenden Menschen. Netzpolitik dabei mich dabei auf ein Video aufmerksam gemacht, dass gut in diesem Kontext passt:

Die Bevölkerung (und damit meine ich auch die Netzbewohner) ist verunsichert. Wird Twitter vielleicht irgendwann meine Direct Messages veröffentlichen? Ich pflege Mut zum Risiko. Alles andere macht nahezu handlungsunfähig. Das Handelsblatt hatte in der letzten Woche einen Artikel zu “Die Suche nach Sicherheit – Wer mit der Angst der Menschen Profit macht”. Ich würde mir mehr Transparenz wünschen und Videos wie das obige, aber auch solche wie dieses hier, die wieder handlungsfähig machen:

Als Fazit möchte ich auf die “Freiheit statt Angst” Demo in diesem Jahr hinweisen. Los gehts am 11.09.2010 um 13:00 Uhr am Potsdammer Platz.