Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Was Bildungsinstitutionen von der Open Source Entwicklung lernen können

the open source way

CC - by-sa -by opensourceway (flickr)

Open Source ist eine Lizenz, die unter bestimmten Bedingungen gewährleistet, das der Quellcode, also letztendlich der Ablauf des Programms offen gelegt wird. Der Grund dafür ist häufig, dass andere Programmierer den Programmcode verändern und damit ihren Bedürfnissen anpassen können. Bei guten Open Source Programmen wird aber nicht nur den Quellcode veröffentlicht, sondern auch noch eine Dokumentation, die einem Außenstehenden nachvollziehbar erklärt, wie das Programm funktioniert und aufgebaut ist. Das ist letztendlich auch die Grundlage, damit Menschen mit- und voneinander lernen können. Ich möchte in diesem Artikel nicht viel weniger versuchen, als eine Lernsetting zu beschreiben, das sich von der gemeinschaftlichen Entwicklung von Open Source Software ableitet und als Grundlage dienen soll, wie heute Wissen verarbeitet und Lernprozesse gestaltet werden müssten.

Motivation

Warum opfern Menschen ihre kostbare Zeit um Software zu entwickeln und diese auch noch häufig kostenlos Anderen zur Verfügung zu stellen?

– Häufig wollen sie ein Problem lösen, das ihnen die Arbeit erleichert. Sie entwickeln also eine für ihren Alltag sinnvolle Anwendung. Anschließend behalten sie das Wissen nicht für sich, sondern dokumentieren es und stellen es ins Netz. Womöglich gibt es irgendjemanden in dieser Welt, der ein ähnliches Problem hat, dass sich mit ein paar Abwandlungen des Programmcodes auch lösen läßt. Genau das sollte auch die Motivation sein, die uns Menschen zum Lernen veranlasst. Der Pädagoge spricht von Alltagsbezug und meint die Integration des Alltags in die Bildung. Nicht das Lernen an Modellen und abstrakten, theoretischen Fallbeispielen. So wird Lernen zum Nutzen Aller!

Organisation

Bei den größere Projekten gibt es sogenannte Maintainer. Sie werden entweder von der Gruppe gewählt, weil sie sich besondern gut mit dem Projekt auskennen oder sie sind der Initiator eines Projekts. Maintainer werden in vielen Projekten (z.B. Debian, ein Linux Derivat) gewählt, weil sie sich in besonders intensiver Weise mit dem Projekt beschäftigen. Maintainer sind vergleichbar mit Lehrer/innen, Dozent/innen, etc. Sie entscheiden in Pattsituationen und treffen wichtige Entscheidungen, die das gesamte Projekt betreffen. Die Grundlage ihrer Position ist ihre Kompetenz und ihr Engagement. Im Bildungsprozess solle das ähnlich sein. Wenn jemand anders im Seminarraum kompetenter oder engagierter in ein Thema eingearbeitet ist, sollten die Rollen getauscht werden. Maintainer haben aber auch das Große Ganze vor Augen. Sie deligieren die Arbeit in Unterprojekte und fügen am Ende alles zusammen. Genauso verstehe ich die Rolle des Lehers/Dozenten. Das oll in keiner Weise die Selbstbestimmung der Projektmitglieder (Lernende) beschneiden, sondern eher als struktureller, organisatorischer Rahmen verstanden werden.

Qualität

Um die Qualität ihrer Software zu sichern, ist aufgrund des allzeit offenen und transparenten Prozesses ein sogenanntes peer review inplementiert. Es gehört ursächlich zu dem System dazu. Peer Review bedeutet in diesem Fall jedes Stück Code kritisch zu betrachten und bei Bedarf zu verbessern. Das setzt eine Reihe an Fertigkeiten voraus, die ausschließlich sozialer Natur sind:

  • Die eigene Verantwortung für das Ganze zu erkennen
  • Kritik immer als ein Verbesserungsvorschlag zu formulieren
  • Sich intensiv mit den Beiträgen der Anderen auseinanderzusetzen
  • Wertschätzung der Arbeit der Anderen
  • das eigene Wissen gebrauchen um den Wissensstand der Anderen anzupassen

In einem etwas vergessenen Artikel von Eric S. Raymond mit dem Titel die Kathedrale und der Basar (unbedingt lesen, sehr zu empfehlen) schreibt er über die Technik der Produktion von Open Source Software. Diese wird nicht als Produkt, sondern als Dienstleistung beschrieben. Damit hat er auch die Grundlagen und eine Metapher (den Basar) für den Umgang mit Wissen im digitalen Zeitalter gelegt. Veröffentliche früh und oft und höre deinen Anwendern zu. Auf die Bildung übertragen bedeutet das: Habe keine Angst vor Fehlern, vertraue auf die Stärken in der Gruppe, es zählt nicht die Schwäche des Einzelnen, sondern der wachsame Blick Aller. Auf diese Weise kultivierte Lerngruppen sind äußerst erfolgreich und lassen Platz für Individualität.

In einem solchen Umfeld übernehmen digitale Medien einen hilfreichen Part als Ünterstützer von Lernprozessen. Sie dienen der Dokumenation, so wie wir es aus zahlreichen Blog– oder Wikibeispielen kennen. Sie sind Kommunikations- und Kollaborationsplattform. Grundlage dafür ist der offene Umgang mit dem eigenen Wissen, aber auch, die Einzelleistung der Gruppenleistung unterzuordnen. Nur dann, wenn die Verantwortung für das Gesamtprojekt bei allen Beteiligten gelebt wird, wird die Arbeit der Anderen geschätzt und dennoch mit Verbesserungsvorschlägen verbunden. Wenn eine solche Zusammenarbeit zu einem erfolgreichen Projektergebnis führt, sollte man die Veröffentlichung nicht scheuen, sie ist unter Umständen mit Reputation über den Klassen-/Seminarraum hinweg verbunden:

Von Elefanten und Mäusen from Evelyn Frank on Vimeo.

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Worum gehts hier?

@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

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