Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Anleitung: Wie mache ich mir mein eigenes Radio?

CC by-nc-nd 2.0 by Jeremy G. (Jayme Rose) (flickr)

Während des Podcasthype, ausgelöst durch die pritlov’sche Podcastoffensive, wurde mir relativ schnell klar, dass in der Mediengattung deutlich mehr Musik steckt, als auf den ersten Blick zu sein scheint, wenn man nur an der Radio-Metapher haften bleibt. Ausgehend von einem eher traditionellen Gesprächsformat bei Bildung-Zukunft-Technik habe ich viel über das Podcast-Publishing lernen können.

Viele Erfahrungen wurden auf das Projekt pb21.de übertragen. Ein weiteres Experiment haben Studierende der Uni Duisburg während ihre Medienprojektes erlitten, während sie sich und Pädagog_innen fragten “Was macht ein Pädagoge?“. In dieser kleinen Reihe haben wir die Interviews mit Skype geführt. Es hat gezeigt, dass Auphonic auch kollaborativ funktioniert, in dem alle im Team denselben Auphonic-Login nutzen und mit dem gleichen Preset (einer Art Vorlage für die Audioproduktion) ihre Interviews produzierten. Es hat aber auch gezeigt, dass Podcasts in der Bildung nicht nur technische Kompetenzen, sondern auch inhaltliche Kompetenzen hervorbringen. Das wird an anderer Stelle noch zu reflektieren sein.

Live senden, wollte ich auch können. Gleich zu Beginn des BZT-Projekts hatte ich um einen Zugang zu Xenim gebeten. Xenim erschließt sich dem Webapp-Verwöhnten Konsumenten jedoch erst einmal gar nicht. Einen Tag experimentieren und mehrere Wikis später haben wir sogar mal eine BZT-Sendung live hinbekommen. Der andauernde Kampf mit der Hardware hat jedoch selbst scheiterwillige wie mich einer harten Prüfung unterzogen. Zuletzt ist mir das mit dem Scheitern beim Eduradio während des Educamps passiert. Wir hatten nicht nur Internetprobleme, sondern auch Schwierigkeiten mit der Hardware, nicht gerade förderlich für ein Live-Sendungs-Projekt wie das Eduradio.

Nach den Erfahrungen mit dem öffentlichen Scheitern bei Livestreams habe ich mich damit beschäftigt, einen eigenen Streaming-Server zu installieren, um zu verstehen, wie überhaupt Icecast, also die Steaming-Software funktioniert. Jetzt habe ich meine eigene kleine Sendestation und bin nicht mehr auf Xenim angewiesen. Xenim selbst sorgt zwar für eine amtliche Aufmerksamkeit während der Livesendung, auf der anderen Seite wurde bei so manchen Chat-Sessions mit dem Xenim-Admins schnell klar, dass wir unsere Zielgruppe, also Bildungsinteressierte Technies nicht erreichen und insofern auch nicht zwangsläufig auf die Xenim-Struktur angewiesen wären. Grundsätzlich ist das natürlich ein großartiges Angebot, richtet sich aber eindeutig nicht an Unbeleckte, sondern erfordert viel Wissen über das Audiostreaming.

Anleitung zur Installation von Icecast bei den Ubernauten

Da ich Kunde bei den Ubernauten bin und dort unter Coole Sachen keine Icecast Installation zu finden war, habe ich versucht meine Installationsversuche so zu dokumentieren, dass daraus am Ende eine nachvollziehbare Anleitung für andere Ubernauten werden kann. An dieser Stelle möchte ich mich noch mal beim Ubernauten-Support bedanken. Ohne euch hätte ich das mit meinen gebrochenen Unix Kenntnissen nicht hinbekommen:

Beruht auf
Installation aller nötigen Pakete mit toast

toast arm libogg
toast arm libvorbis
toast arm vorbis-tools
toast arm libxml2
toast arm libxslt
toast arm curl
toast arm icecast

Toast legt in deinem Verzeichnis ein auspunktiertes .toast Verzeichnis an. Das kannst du mit der FTP-GUI deiner Wahl nur dann finden, wenn du dir die versteckten Dateien anzeigen lässt.

Anpassen des Startscripts

Editieren der icecast.xml unter …./toast/pkg/icecast/v2.3.2/1/root/share/icecast/etc/ eine sehr gute kommentierte Orientierung, an welchen Stellen das xml editiert werden muss bekommst du hier. Parallel musst du einen Port für dein Icecast per Mail bei den übernauten anfragen und freischalten lassen.

Starten von Icecast mit

icecast -b -c /home/user/.toast/armed/etc/icecast.xml

Im Browser

Das Webfrontent ist dann unter http://deinedomain.de:deinport zu erreichen.

Um Icecast über das Web zu administrieren musst du das Passwort nutzen, dass du in der icecast.xml eingetragen hast.

Um eine Radiosendung zu streamen benötigst du eine Source, also ein Programm, dass die Audiodaten an den Icecast-Server ausliefert. Für Mac-Nutzende empfehle ich nicecast:
http://www.rogueamoeba.com/nicecast/

Weitere Clients findest du hier:
http://icecast.org/3rdparty.php

Einrichten der Icecast-Source

Account: source
Password: Passwort auf der icecast.xml
Address: deinedomain.de (ohne http und so)
Port: Der Port, der dir per Mail zugeordnet wurde
Mountpoint: /stream

Der Stream ist dann öffentlich unter http://deinedomain.de:deinport/status.xsl anzuhören

5 Kommentare

1 Pings/Trackbacks

  1. 16. Mai 2015    

    Der Artikel ist mittlerweile leider ein kleines bisschen überholt da toast die richtigen sourcen nicht mehr findet. Dank dem tollen Support der Ubernauten gibt es aber Abhilfe über Homebrew; die sogar einfacher ist als die oben beschriebene Lösung. Da die nötigen Dependencyies wie curl, libxml usw. durch brew einfach mit installiert werden. Also was muss man tun? Zu erst folgt man der Beschreibung hie um Homebrew zu installieren: https://wiki.uberspace.de/cool:homebrew

    danach reicht ein einfaches “brew install icecast” und brew läd und builded was nötig ist. Danach fährt man ganz normal mit dem Anpassen der icecast.xml fort wie beschrieben.

  2. gibro gibro
    17. Mai 2015    

    Danke für das Update!

  3. […] Ich habe mir also auf einem Server bei den ubernauten (suche auf der Seite nach gibro) eine eigene icecast Installation  gebastelt. Aber auch hier war die Verbindung zu Nicecast, die Nutzung der richtigen Ports und die […]

  4. 20. Mai 2015    

    Vielen Dank für diesen Artikel. Ein eigenes Radio zu streamen muss nicht unbedingt kompliziert sein. Es gibt zahlreiche Seiten um sein eigenes Radio zu senden, viele davon sind extrem preiswert.

  5. 22. Mai 2015    

    Und noch mal ein kurzes Update: Also alles wie oben schon beschrieben, um das XML File, das man unter /home/USERNAME/.linuxbrew/Cellar/icecast/2.4.2/etc findet, muss man eigentlich gar keine große Magie machen, in der Regel reicht es wenn man die nötigen Passwörter und natürlich den Host angibt. Ansonsten wäre noch als Alternative zum Nicecast LadioCast zu erwähnen, das gibts im Unterschied zu Nicecast kostenlos bzw. als Donationware.

    Frohes strömen

  1. Mixlr – Podcasts live senden für Anfänger | Dotcom-Blog on 19. Mai 2015 at 13:12

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@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

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