Content vor Infrastruktur

Bei der Einführung von Moodle in Organisationen ist mir aufgefallen, dass die sogenannten Early Adopters meist nicht mehr brauchen, als die Infrastruktur, den Rest eigenen sie sich selbst an und nutzen anschließend moodle für ihre Zwecke. Sie sind experimentierfreudig und machen per Trial and Error ihre Erfahrungen. Sie sind leidensfähig genug, um das Scheitern in Erfahrung zu verwandeln.

Early Adopters sind aber selten. Die überwiegende Zahl lässt sich nur schwer motivieren mit Moodle zu arbeiten. Sie brauchen einen anderen Zugang, um ein digitales Werkzeug für sich und ihre Pädagogik zu erschließen. 

Content, konkrete Beispiele, fertige Quizze, H5Ps oder ganze Moodlekurse sind für die überwiegende Mehrheit ein motivierender Einstieg. 

Das gilt übrigens auch für Digitale Werkzeuge jenseits von Moodle. Sobald eine Lerneinheit gemeinsam erlebt wurde, wntsteht schnell die Bereitschaft, sich auch selbst an solche Werkzeuge heranzutrauen.

Neben der Bereitstellung fertiger digitaler Inhalte ist die gemeinsame Umsetzung im Seminarraum eine weitere Unterstützung, um sich auf neue digitale Bildungsprozesse einzulassen.

Gemischte Teams, in denen sich die unterschiedlichen Fähigkeiten abbilden, sind vermutlich die beste Fortbildung für Lehrende, die sich unsicher im Einsatz digitaler Medien fühlen.

Beispiele jenseits von Moodle gibt es zahlreiche. Das Cryptpad zum kollaborativen Arbeiten, beispielsweise zur Entwicklung einer Präsentation, um dem Plenum das Ergebnis einer Internetrecherche zu vermitteln. Klingt so trivial dahingeschrieben. Wenn man es im Seminarraum wirklich erfolgreich durchführen will, geht es um mehr als die Beherrschung des Cryptpads. Die Wahl des Endgeräts, eine Einführung in die Möglichkeiten der Software, eventuelles anlegen von Vorlagen, auf die zurückgegriffen werden kann, Formulierung einer konkreten Aufgabenstellung. All das muss bedacht werden. Die Betreuung der Gruppen, auch jenseits der Technik (die wenigsten haben Erfahrungen mit kollaborativen Arbeitsumgebungen, in denen Dateien nicht mehr gespeichert werden) ist mit eine der wichtigsten Aufgaben der Referentinnen. 

Kurzum, solche Erfahrungen im Team gemeinsam zu reflektieren und weiterzugeben, ersetzt jede gute Fortbildung. 

Tltr: Wenn du willst, dass digitale Transformation auch im Bildungsprozess stattfindet, reicht es nicht, die Infrastruktur bereitzustellen und die Lehrenden zu schulen. Du brauchst guten einfach weiterzunutzenden Content, best practise (gut dokumentiert in ZIM Papieren) und du brauchst teamteaching um voneinander zu lernen und die konkrete Umsetzung im Seminarraum zu erleben.

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