Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Bisherige Erfahrungen mit dem 3D Drucker

CC by-DE 3.0 by Guido Brombach

Warum passt eigentlich die Maker-Bewegung so gut zur Bildung des 21. Jh? Und was hat ein 3D Drucker im Seminarraum verloren? Und wer sagt mir eigentlich, dass das nicht alles nur eine Effekthascherei ist?

Projektlernen

Zumindest viele Menschen in meinem Umfeld sind sich darüber einig, dass Faktenwissen allein heute nicht mehr weiterhilft. Der Rahmen in dem es erworben wird, ermöglicht den Lernenden, es auch einfacher auf andere Rahmen zu übertragen. Diese Rahmen können Projekte sein, das so erworbene Wissen ist nötig um die Projekte umzusetzen. Wissen und ihre Anwendung bringen dabei Fähigkeiten hervor, die speziell und erst einmal nur für das Projekt nötig sind. Aber nach dem zweiten oder auch dritten Projekt stellt sich heraus, dass bestimmte Fähigkeiten , die natürlich erworben werden müssen immer wieder hilfreich sind.

Projekte sind für meine Seminararbeit ein sehr wesentlicher Bestandteil des Lernprozesses. Es ermöglicht mir als Seminarleitung, mich in die Projekte einzubringen, also mit den Lernenden auf Augenhöhen zusammen arbeiten zu können. Eine sehr häufige Beobachtung im Verlauf eines Projektes ist anfängliche Selbstüberschätzung, vielfach eine Ernüchterung im Laufe der Umsetzung was die eigenen Fähigkeiten angeht. Diese Krise lässt sich dadurch meistern, dass die Problemstellung am Ende ganz anders gelöst wird, als zu Anfang geplant. Während der Projektes ist Scheitern eingeplant, meistens habe ich selbst keine Lösung der Aufgabenstellung vor Augen.

Digitale Medien sind dabei in meiner Seminararbeit ein wichtiges Werkzeug für die Umsetzung von Aufgabenstellungen. (Aufgabenstellung = Projekt. Eigentlich sollte das Projekt ja aus einer selbst definierten und damit sinngebenden Problemstellung hervorgehen, in den meisten Fällen sind in 5 Tagesseminaren mit vorher fest verbrieften Seminarplänen, solche Bedingungen schwer herstellbar. Deshalb geben wir passend zu den Themen Aufgabenstellungen vor.)

Im Zuge einer thematischen Fokussierung auf den Wandel der Arbeit habe ich einen 3D Drucker angeschafft. Als Metapher für die Zukunft der Arbeit, aber auch als Ausdruck für die Maker-Bewegung soll der Drucker im Seminar eingesetzt werden. Es ist, wie man nach 2 Minuten merkt sehr unspannend dem Drucker beim Drucken zuzusehen, es ist wesentlich spannender, den Fertigungsprozess als Ganzes zu betrachten.

Beispiel aus einer Gesamtschule

Die Teilnehmenden einer Duisburger Gesamtschule haben sich zum Beispiel mit dem Selbermachen beschäftigt. Dazu haben sie begonnen fertige Vorlagen auszudrucken, das war ihnen aber nach kurzer Zeit zu wenig und sie wollten die vorhandenen Vorlagen verändern, Andere wollten direkt lernen etwas eigenes zu entwerfen. Damit war die Frage verbunden, was man eigentlich unbedingt braucht und welche Rolle der persönliche Stempel dabei spielt. Und eigentlich ist die Frage was man entwirft unweigerlich damit verbunden, für wen der gestaltete Gegenstand sein soll. Trivial, aber wahr.

Obwohl alle einen eigenen Rechner hatten, haben sich die meisten nach einer ersten Recherchephase vorhandener Prototypen zusammen getan und ihre Ideen ausgetauscht. Die Geschwindigkeit, in der sie die unterschiedlichen Phasen (Vorlagen drucken, Vorlagen verändern, eigene Projekte umsetzen) durchlebten waren sehr unterschiedlich und deshalb war es auch kontraproduktiv die Gruppen im vorhinein festzulegen. Es hat sich im Laufe des Vormittags gezeigt, dass die Schüler_innen sich bezogen auf ihre Interessen zusammen taten. Das Drucken selbst habe ich dann am Nachmittag zu Hause gemacht, weil es ca. 20 Minuten bis 3 Stunden pro Objekt dauerte. Aber wie ich schon sagte, das Drucken rückt sehr schnell in den Hintergrund.

Wir konnten über das Urheberrecht sprechen, über Kreativität und wo sie herkommt. Wir konnte über Leistung, wie man sie misst und wer sie hervorbringt sprechen. Wir haben über die Produktion der Zukunft nachgedacht und über das, was nötig ist, um etwas zu gestalten. Das war reichlich für knappe 2 Tage mit dem 3D Drucker.

Dennoch ist das Gedruckte am Ende das wichtigste. Nachdem anfänglich das Drucken von Messern interessant war, waren es am Ende die Herzen für die Freunde und Freundinnen. Und was bleibt ist das Gedruckte und wie es entstanden ist.

Das Unboxing

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Was man über den 3D Druck wissen sollte

Suchmaschinen

  • yeggi (Metasuchmaschine, sucht in mehreren 3D Datenbanken), Große Auswahl, aber auch viel Schrott
  • Thingiverse (Community von Makerbot, dem wohl bekanntesten 3D Drucker), Viele hochwertige Modelle. Alle Open Source, bzw. CC-lizensiert.
  • Tinkercad ist ein vollwertiges CAD Programm. Mann kann selbst Gegenstände erstellen, aber auch beliebige stl Datein hochladen und verändern. Ich habe für die Schülergruppe einen Account eingerichtet, den wir alle gleichzeitig genutzt haben. Deshalb war es relativ einfach, die Dateien an einem zentralen Ort zu hosten.

Webapps zum kreativ werden

  • Customizer von Makerbot (ausgewählte bei Makerbot hochgeladene Gegenstände können angepasst werden. Bei Ringen kann die Größe oder die “Gravur” verändert werden, etc.)
  • Fraemes hilft bei der Gestaltung der eigenen Handyhülle
  • Printcraft ermöglicht die Gestaltung des 3D Models mit Minecraft und das anschließende herunterladen des gestalteten Models. Dafür wird ein extra Minecraft-Server bereitgestellt, um die Objekte zu finden.
  • Cookiecaster gibt euch die Möglichkeit, eure Plätzchen-Ausstecher selbst zu gestalten.
  • Mit Smoothie-3D kann man ein 2D Bildern 3D Gegenstände erzeugen

Apps für dein Smartphone

  • Held_innen bauen mit Tinkerplay
  • Trimensional macht dein Smartphone zu einer 3D Kamera. Dafür musst du in einen sehr dunklen Raum und ein Bild von dir machen. Ich habs ausprobiert, sehr lustig.
  • Blokify ist ein wenig wie Minecraft. Auch hier werden aus Blöcken Gegenstände, die man ausdrucken kann.
  • 123D Catch wandelt das Smartphone in ein 3D Scanner um. In einem vorgegebenen Raster wird der Gegenstand abfotografiert. Die App schickt anschließend die Bilder zum Server und nach ca. 30 Minuten bekommt man ein 3D Modell zurück. Meistens muss man es aber nachbearbeiten, bevor man es ausdrucken kann. Ich nutze dafür 123D Catch für Windows.

Was ich bisher gedruckt habe

3 Kommentare

  1. 27. Juni 2016    

    sehr geil. lol kaufen dir einen 3d drucker du musst. würde joda sagen xD

  2. 24. April 2017    

    Sehr interessanter Einfall mit den LEGO-Steinen. Ich überlege mir auch einen 3d Drucker zuzulegen. Mich würde ehrlich gesagt interessieren, ob man mit den gedruckten Steinen auch wirklich was bauen kann. Auf YouTube gibt es Videos dazu, doch wie beurteilst du das? Zerbrechen die und was ist wenn sie in der Sonne stehen?
    Irgendwann wird es wohl sowieso so weit sein und wir brauchen wohl kein LEGO mehr zu kaufen…

  3. gibro gibro
    25. April 2017    

    Nein, die Steine sind schon ziemlich stabil

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Worum gehts hier?

@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

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