Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Einträge in der Kategorie: Lernen mit Medien

Hypertexte und zufälliges Lernen

Natürlich, eigentlich besteht das ganze Internet aus Hypertexten, aber die Technologie ist ein wenig in Vergessenheit geraten. Lost in Hyperspace haben wir jetzt im Griff, dank RSS, kuratierten Timelines und Apps. Zu Zeiten der kaum beherrschbaren Informationsfluten und des Surfens durch das Infochaos war der Hypertext die fleischgewordene Vollendung des Konstruktivismus. Anfang der 2000er haben Kontruktivist_innen den Hypertext als Möglichkeit verstanden das Internet als Lernplattform zu nutzen. Damals haben wir es als pädagogische Herausforderung verstanden, die vielen unterschiedlichen Kontexte und Zugänge bei Lernen in Gruppen zu bearbeiten. Damals waren es weniger die Algorithmen, die meine Konstrukte determinierten, sondern vielmehr die Sozialisation und die Biografie. Beides ist auf eine Art extrinisch, allerdings erscheinen die Algorithmen deutlich absichtsvoller, über den Grad des Zufalls lässt sich streiten.

Der Großartige Michael Wesch hatte damals mit Studierenden solche Videos gemacht:

… und mit fast 12 Mio Views viele Menschen inspiriert.

Wie weit ist es gekommen, dass man sich den nicht algorithmisierten, chaotischen Hypertext zurück wünscht um Lernen wieder etwas Zufälliges zu verleihen? Wobei Zufall letztendlich im Blickwinkel des Betrachters liegt, denn natürlich wurden auch die guten alten Hypertxte algorithmisiert. Ob ein Link uni- oder bidirektional ist, also nur von sich wegverweist oder auf der anderen Seite auch wieder zurückverweist, erhöht die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Lernwege. Rein statistisch ergeben sich so Textteile, die seltener erreicht werden können, als andere. In meiner Dipl. Arbeit habe ich mich lange mit Hypertexten befasst. (erste eigene Hypertext-Lernumgebung zu Lerntheorien).

Nach wie vor ist die Wikipedia das Vorbild eines mehr oder weniger radikalen Hypertextes ohne die Absicht, den Nutzenden durch Pseudo-Textstückchen zu leiten. Hier sollen lediglich inhaltliche Zusammenhänge hergestellt werden, die eine Vertiefung oder sogar abschweifung ermöglichen.

Inzidentielles Lernen nennen es die Pädagog_innen, wenn lernen ohne Lernabsicht einfach passiert, weil man abschweift oder zufällig auf einen Zusammenhang stößt, der die eigenen Konstrukte in Frage stellt, denn genau dann lernen wir. Hypertexte sind genau dazu sehr gut geeignet. Die wesentlich wirkmächtigeren Tools zum inzidentiellen Lernen sind aber wohl Suchmaschinen, auch wenn ein Algorithmus versucht zu berechnen, was auf eine bestimmte Suchanfrage als Ergebnis erwartet wird.

Zurück zum Anfang: Der Hypertext als fleischgewordene Vollendung des Konstruktivimus, das heißt letztendlich nichts anderes, als das Digitale als geeignet zu erklären, die eigenen Konstrukte zu hinterfragen, zu stören, zu verändern. Zufall statt datengetriebene Analyse des Lernverhaltens und Adaption externer Lernziele. Chaos statt Kuration. Das geht wohl nicht mit dem Lernverständnis in Schule einher, wohl aber mit dem der Erwachsenenbildung. Also mehr Mut zum Hypertext!

Die 6 Naturgesetze des Digitalen #rp18

Ich hatte das auf der diesjährigen Republica ein Paper zum genannten Thema eingereicht und durfte statt der vorgesehenen 30 Minuten zumindest 6 Minuten sprechen. Der Vollständige Titel lautete Weiterlesen »

Scotland Yard Privacy Edition

Vor einigen Wochen haben wir Scotland Yard, Spiel des Jahres 1983 aus den Untiefen des Kellers befreit. Nach den ersten 2 Runden war klar, dass das Spiel ein Update in das Heute braucht. Wie würde man heute Mister X fangen? Weiterlesen »

Das Educamp wird 10 – Was passiert in Neuharlingersiel?

Ein Teil des Orgateams des kommenden Educamps in Neuharlingersiel hat in diesem kurzen Podcast erklärt, wie der Stand der Planung ist und warum es sich lohnt, dabei zu sein:

Übrigens kann man sich noch anmelden.

Eine neue Episode BZT

Drüben im BZT-Podcast habe ich heute morgen eine neue Episode veröffentlicht. Felix hat über sein Sabatical gesprochen und darüber, dass ein Jahr Pause und Abstand neue Perspektiven eröffnet. Weiterlesen »

Digitale Medien und Ablenkung

CC by Pfeifferfranz (wikipedia)

Ich sprach schon bei BZT drüber. Ich merke an mir, bei dem Schreiben von Texten, wie sehr sich mein Hirn den digitalen Möglichkeiten hingegeben hat. Kopieren, Ausschneiden und Einfügen sind bei allem, was ich tue, überlege, erfinde und konzipiere, also wenn ich als Wissensarbeiter funktioniere, zentrale Konzepte. Wenn ich etwas neues zum Beispiel auf einer Tagung höre, beginne ich es nachzurecherchieren, zu strukturieren, in Zusammenhänge (meine Diigo Outliner) einzubetten und schließlich aufzuschreiben. 

Meine Tochter musste letztens einen längeren Text schreiben. Während ich ihr erklärte, wie ich mich an solche komplexen Aufgabenstellungen mache, wurde mir klar, wie schwer es für mich geworden ist, längere Texte linear von oben nach unten zu schreiben. Ich arbeite häufig steinbruchartig an verschiedenen Absätzen/Kapiteln und häufig wird Geschriebenes mit cut + paste an andere Orte verschoben. 

Ich kann mich nicht mehr an die Zeit erinnern, wo ich Texte linear von oben nach unten schreiben konnte, aber bei meiner Deutsch Abiklausur musste ich es noch gekonnt haben, denn die habe ich komplett auf Papier geschrieben, seitenlang. Heute fällt es mir schwer, Gedanken auf Papier zusammenzuschreiben, weil die Struktur beim Schreiben entsteht und sich verändert. Dafür ist Papier nur bedingt gut geeignet. Outliner bilden exakt die Arbeitsweise ab, die mir beim Strukturieren von Informationen hilft. Hier kann ich ganze hierarchische Bäume verschieben, anderen Strukturen unterordnen oder einfach auch nur in andere Zusammenhänge kopieren. Ich kann beliebig komplex werden und Komplexität sichtbar machen oder verbergen.

Die Außensicht auf das meinen Weg Zusammenhänge hervorzubringen muss sehr chaotisch wirken. Es ist geradezu die Ablenkung, also das Springen zwischen den Kontexten, das mir hilft, Zusammenhänge herzustellen. Was wenn wir in Lernprozessen Menschen zwingen, linear zu lernen, und das tun wir, solange Papier unser Datenträger von Wissen bleibt. Erst die Nutzung digitaler Werkzeuge ermöglicht, alinear zu rezipieren, das wissen wir spätestens seit unseren Untersuchungen zu Hypertexten.

Ich glaube, in der heutigen Schule würde ich mit meiner digitalen Sozialisation untergehen. Vielleicht geht es einigen Kindern genauso?

10 Jahre BYOD im DGB Bildungswerk

Ich habe für wb-web.de meine Erfahrungen mit Bring your own device in der politischen Bildungsarbeit zusammengefasst:

Making-Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen. Handbuch zum kreativen digitalen Gestalten

Zusammen mit Ralf Appelt habe ich einen Beitrag zum offen lizenzierten Handbuch “Making-Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen. Handbuch zum kreativen digitalen Gestalten” beigetragen. Wir haben den Medienpraxisabend vorgestellt. Der Artikel aus dem Buch ist mittlerweile auch im Medienpraxisblog erschienen. Weiterlesen »

Tour d’ Internet

Ich habe auf der Jahrestagung der Transferstelle politische Bildung darüber gesprochen, welche Unterschiede zwischen digital und analog uns daran hindern, eine Pädagogik mit digitalen Medien zu entwickeln: Weiterlesen »

Educache zu Martin Luther King

By martin luther king (wikipedia) [Public domain], via Wikimedia Commons

Für den re:publica-geocache habe ich die Geschichte “Let my people go” von Stefan Appelius, erschienen bei einestages und chrismon, ausgewählt. Sie erzählt die Geschichte von Martin Luther King, der am 13. September 1964 unangekündigt in Ost-Berlin eintraf. Ein geistlicher Bürgerrechtler trifft auf das DDR System. Eine recht brisante Begegnung. Der Cache lädt ein, diese Geschichte noch einmal an den original Schauplätzen zu erleben.

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Der Educache (Text) auf dieser Seite steht unter der CC BY 4.0 DE Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Guido Brombach für dotcomblog.de. Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken finden sich direkt bei den Abbildungen.

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Mauergeschichte: Der Einfluss der Medien auf den Fall der Mauer

CC BY-SA 3.0 by Lear 21 (wikipedia)

Der Fall der Mauer ist eine Verkettung kurioser Ereignisse und Missverständnisse, die am Ende jenseits aller Diplomatie dazu geführt haben die Grenze an der Bornholmer Straße zu öffnen. Die Tour zeichnet die letzten Stunden bis zur Maueröffnung mit Hilfe der Dokumente auf Chronik der Mauer nach.

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Mauergeschichte: Die Flucht mit der Seilbahn

Eine der spektakuläreren Fluchten war die der Familie Holzapfel mit einer selbstgebauten Seilbahn im Angesicht der russischen Besatzer vom Haus der Ministerien hinter die Westdeutsche Grenze. Das alles konnte nur gelingen, weil die Holzapfels von den Soldaten für ostdeutsche Spione gehalten wurden, die in den Westen geschleust wurden. Niemand anders wäre so offensichtlich vor den Augen der russischen Soldaten geflüchtet.

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Worum gehts hier?

@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

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