Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Macht und Hierarchien

HierarchieAlles was wir tun verfolgt einen Sinn einen Zweck. Wenn wir ihn nicht kennen, sind wir auf der Suche danach. Viele Dinge tun wir, weil uns irgendetwas antreibt, ein gutes oder schlechtes Gewissen, eine Erfahrung, unsere ureigenen Instinkte. Jeanpol schreibt in seinem Blog zum Thema Warnung vor Selbstidealisierung “Wenn wir eine Machtposition anstreben, behaupten wir meist, dass wir selbstlos und nur zum Wohle der Allgemeinheit handeln.” Er beweist das Gegenteil, und zwar sehr einleuchtend. Dennoch möchte ich an dieser Stelle Macht in zwei verschiedenen Systemen voneinander unterscheiden. In hierarchischen bedeutet einmal Macht immer Macht. Wer sie also erworben hat, wird sie nur schwer los, sie ist allerdings auch äußerst schwer zu erwerben. In ahierarchischen Systemen kann Macht recht einfach erworben werden, allerdings ist sie auch recht flüchtig. Wenn die Person selbst nicht mehr handelt, sich nicht mehr für das System einsetzt, in dem sie mächtig war, erfolgt der Umsturz und das eigene System wird okkupiert. Das hat zur Folge, dass in ahierarchischen Systemen der mächtig ist, der es auch verdient hat, und der die entsprechenden Kompetenzen auch mitbringt. Im Gegensatz dazu steht die Machtposition in hierarchischen Systemen, wo wir häufig genug feststellen, dass die Kompetenzen auf anderen Schultern liegen. Chefs können sehr inkompetent sein und auftreten. Dies schadet ihrer Stellung aber meist nicht. In solchen Systemen steht nur die Person, und nur gelegentlich ihre Kompetenz im Vordergrund. In ahierachischen Systemen ist die Kompetenz eine Grundvoraussetzung um mächtig zu werden. Jeanpol nennt das emergieren. Und schreibt ähnliches in “Personenkult? Nein, sondern Fokussierung auf handelnde Personen” Dieser Artikel ist deshalb als Ergänzung zu verstehen, als ein weiteres Neuron.

Was hat das jetzt mit lernen zu tun? – Na eine ganze Menge. Das Lernen in hierarchischen Systemen funktioniert nicht gut, die aussichten auf Machtzuwachs bleiben gering, sie sind häufig von anderen Faktoren abhängig als von Kompetenz. In arhierarchischen Systemen, das Internet wäre ein solches wenn auch sehr diffuses, ist lernen mit Kompetenzzugewinn und damit mit der realistischen aussicht auf Machtzuwachs verbunden.

Vielleicht noch zwei Beispiele für jeweils eines der Systeme. Hierecharchische Systeme kennen wir alle aus unserem Arbeitsalltag sie sind in der Regel sehr unflexibel und Kompetenzen werden in der Regel nicht mit einem Machtzuwachs belohnt, sondern eher mit einer Zurechtweisung auf die eigentlichen Aufgaben in der Organisation. Dagegen organisieren sich die Communities rund um die Freie Software meist anders und werden immer häufiger zu Best Practice Beispielen für Unternehmen. Freie Software dockt an den Grundbedürfnissen der Menschen an. Sie lösen deren Probleme höchst individuell. Wenn also jemand eine bestimmte Funktionalität für seinen Webbrowser braucht, programmiert er sie einfach und tut das um sein Problem zu lösen, erstaunlicher Weise haben Menschen häufig ähnliche Probleme, warum also die Lösung für mich behalten? In dem ein oder anderen Fall hat sich daraus etwas großes ergeben, z.B. Linux. Letztendlich sind viele Projekte zutiefst hierarchisch organisiert, sonst würde das Arbeiten im Netz auch nur schelcht funktionieren, dennoch ist das System durchlässig, und besonders aktive Personen können es aufgrund ihrer Kompetenzen nach oben schaffen. Forrest Gump sagte immer “Dumm ist der, der Dummes tut.” Das Gegenteil heißt “Gut ist der, der Gutes tut”. Entscheidend ist das “tut”.

2 Kommentare

  1. 13. November 2008    

    Echt super diese Kommunikation. Man speist einen Beitrag ein und der Gedanke wird aufgegriffen, angereichert und vertieft, man kommt selbst weiter usw. Kein Wunder, dass man danach süchtig wird (informationverarbeitung als Grundbedürfnis und daher auch tendenziell suchtinduzierend).

  2. 13. November 2008    

    Echt super diese Kommunikation. Man speist einen Beitrag ein und der Gedanke wird aufgegriffen, angereichert und vertieft, man kommt selbst weiter usw. Kein Wunder, dass man danach süchtig wird (informationverarbeitung als Grundbedürfnis und daher auch tendenziell suchtinduzierend).

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Worum gehts hier?

@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

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