Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Offene Bildung(smaterialien), Verhinderer oder Chance für die digitale Bildungskultur

Kopierer
Kopierer

CC by-nc-sa 2.0 by binaryCoco (flickr)

Das Problem

Das OER Whitepaper wirft auf Seite 21 die Frage auf, wie Bildungsmaterialien dargereicht werden sollten. Ich hatte dazu schon auf dem Educamp in Köln eine Session organisiert. Neben vielen anderen Problemen wie Bekanntheit von OER, Verteilung von OER, Qualitätssicherung, etc. ist auch die Präsentation von OER Materialien ungeklärt. Soll das Material dezentral oder gebündelt, fragmentisiert oder didaktisiert ausgeliefert werden. Es stellt sich die Frage nach

den grundlegenden Standards. Seine eigenen Materialien im Blog zu veröffentlichen ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein und ein gutes Zeichen, wird aber auf Dauer kein mächtiges Angebot generieren können.

Frame für gedruckte Bildungsmaterialien

CC by-sa 3.0 by gibro

Wie könnte ein Repository für offene Bildungsmaterialien aussehen?

Das Web 2.0 hat uns gezeigt, dass die Bereitstellung von Diensten im Internet funktioniert. Die Nutzenden wollen nicht nur Empfänger von Informationen sein, sondern diese auch selbst bereitstellen. Ein entsprechender webbasierter Dienst für die Bildung müßte beide Anforderungen aufeinander vereinen.

Es muss im Folgenden zwischen Fragmenten und Materialien unterschieden werden. Fragmente sind einzelne Bestandteile wie Text, Bild, Video, Aufgabe. Materialien sind didaktisierte Dokumente, die so zum Einsatz im praktischen Bildungsprozess kommen können oder schon gekommen sind.

Eine Art Youtube für Bildungsmaterialien würde helfen. Also ein Ort, der beide Ansprüche miteinander vereint. Sowohl fertige Materialien als auch offene noch zu gestaltende Frames. Die von Bildungsmachenden, erstellten Materialien können wiederum in einer Datenbank gesammelt werden und lassen sich auch dort jederzeit von anderen Nutzenden anpassen.

Dazu können die API’s von Wikipedia, Flickr, etc. (Programmierschnittstellen zu anderen Services) genutzt werden. Z.B. ist es dadurch möglich an einer definierten Stelle im digitalen Bildungsmaterial in der Wikipedia zu suchen und die gewählten Fragmente direkt an der gewünschten Stelle einzubinden, siehe Schaubild. Im Hintergrund wird die Lizenz für jedes verwendete Fragment mitgeschrieben und im Fuß des Materials als Quellenverweis aufgelistet. Damit ist das mühseelige Zusammenstellen aller Quellen automatisiert. Auch die vom Autor gewählte Lizenz wird integriert und ermöglicht so die Anpassung des Materials von Dritten an wiederum ihre Bedürfnisse.

Probleme bei dieser Art von Plattformen

Bildungsmaterialien sind heterogen. Es gibt kein einheitliches Medium. Natürlich muss eine heute sinnvoll zu verwendende Plattform ausdruckbare Materialien ermöglichen, aber wie ist es mit der Herstellung, Anpassung und Distribution von z.B. Moodle Kursen?

Der OER Bewegung sollte eigentlich die Digitalisierung von Bildung voraus gehen. Vorher wird das Urheberrecht zwar vereinzelt als Problem empfunden, über das sich jedoch einfach hinweggehen läßt, solange das Material nicht öffentlich verfügbar ist und eine Kopie eine Verschlechterung des Originals darstellt. Weil also der Kopierer in Schulen das wichtigste Medium der Vervielfältigung ist, werden Verstöße gegen das Urheberrecht noch als notwendiges Übel angesehen.

Schon bei der Musikindustrie konnten wir sehen, wie die Digitalisierung zur einfachen Verfolgbarkeit von Straftaten genutzt werden konnte, das Phänomen des Archivierens von Immaterialgütern allerdings ist jahrelang zu einer Praxis geworden, die das Unrechtsbewußtsein marginalisiert hat. Natürlich wollen die Digitalisierten Archive nicht veröffentlicht sein, aber wenn die Distribution über ein öffentliches Medium organisiert ist, ist das mit der Öffentlichkeit kaum zu vermeiden.

Die Digitalisierung von Unterrichtsmaterial macht die einzelne Überschreitung von Urheberrechten sichtbar und nachvollziehbar. Solange das Materialarchiv in des Lehrers Arbeitszimmer steht, ist es unwahrscheinlich, dass die Lehrer wegen Urheberrechtsverstößen belangt werden. Sobald sie ihre Materialien allerdings Volltext durchsuchbar digitalisiert darreichen, wird automatisiert gefahndet und abgemahnt. Am Ende wird sich die schwer zu verhandelnde Urheberrechtsfrage noch zu einem Verhinderer der digitalen Bildungskultur herausstellen.

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Worum gehts hier?

@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

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