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CC by-nc-nd by curiouslee on flickr

Vor einigen Wochen hatte ich getwittert, dass sich meine Browser-Lesezeichen überlebt haben. Ein Reply schrieb sogar von einer Todholz-Erinnerung. Tatsächlich sollten die Bookmarks Erinnerungsstützen sein, Artikel, die noch gelesen werden müssen, Material, das man später vielleicht noch einmal brauchen könnte. Diese Jäger und Sammler Mentalität ist an meinem Lesezeichen-Manager nicht spurlos vorrüber gegangen. Bis heute gelingt es mir nicht, diese Lesezeichen zu löschen, obwohl sie schon längst an delicious übergeben wurden bleibt ein Stück digitaler Messi in mir zurück. Es ist mit dem Jagen und Sammeln seid den RSS-Feeds nicht besser geworden. Der Zeithorizont der Verwertung hat sich aber deutlich verdichtet. Während ich noch vor 5 Jahren den Lesezeichen des letzten Jahres Bedeutung beimaß, sind es jetzt im Höchstfall noch die letzten 8 Wochen.

Genau so ist es den Linklisten ergangen. Die Blogroll in WordPress ist auch noch ein Relikt aus der alten Zeit, dem langsam kontextbezogene Empfehlungen weichen. Eine Blogroll ist dafür viel zu statisch.

Das Netz hat sich verändert, Lesezeichen sind dabei noch ein Relikt aus einer anderen Zeit, als Webseiten ähnlich einer Multimedia-CDRom Inhalte als Hypetext aufbereitet haben. Wer sich solche CD-Roms merken wollte hat ein Lesezeichen gesetzt. Wer nicht ständig seine Lesenzeichen pflegte konnte schnell den Überblick verlieren. Der Firefox nahm sich dankenwerterweise mit einigen kreativen Erweiterungen diesem Chaos an. Im Übergang dienten “dynamische Lesezeichen” als Lösung. Heute werden weniger Webseiten als vielmehr einzelne Artikel gesammelt, getauscht, getaggt und kategorisiert. Die Chronik und Tabs haben die Lesezeichen im Browser verdrängt. Wer nach einer konkreten Webseite sucht, fängt in der URL an zu tippen und der Rest wird ergänzt.

Viele Webseiten sind heute in erster Linie eine Anwendung und in zweiter Linie ein Informationsangebot, da helfen weniger Lesezeichen als vielmehr Einbettung von Webseitenfunktionen in den Browser: Widgets, Erweiterungen, Addons verwandeln die Browser in ein Multitalent.

Dank RSS Feed trennt sich der Inhalt immer mehr von seinem Medium ab. Dadurch verliert die Inhalte hostende Webseite weiter an Bedeutung. Gewinner sind die Aggregatoren, nicht nur die Feedreader, auch die social Bookmarkdienste oder die zahlreichen EmpfehlerInnen auf Fleisch und Blut bei Facebook, Twitter und Co.

Was zählt ist die aktuelle Information. Was auch zählt ist die Information von gestern aber dafür gibt es Archive und schnelle Volltextsuchen.