Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Herr der eigenen Daten sein

SocialBro

Das Thema Selbstvermessung lässt mich nicht los. Je mehr ich dazu recherchiere um so mehr bekomme ich das Gefühl, dass die Daten eines einzelnen Nutzers relativ unspannend sind. Erst das Aggregat vieler Daten lässt interessante Korrelationen zu. Ob die dann immer stimmen oder nicht ist dann eh Teil des statistischen Unsinns. Menschen lassen sich eben nicht auf Zahlen reduzieren und wird es doch gemacht, kann nur ein Ausschnitt der Persönlichkeit reflektiert werden. Wir können zwar mit Wortwolken Häufigkeiten genannter Worte ausrechnen, wenn jedoch das Ergebnis “der, die, das, für, und, ist, mit” ist, hat man es nicht gerade mit sinnstiftenden Interpretationen zu tun. Dennoch, Selbstvermessung ist mehr als nur etwas über sich selbst zu erfahren. Es hilft mein digitales Gedächtnis zu archivieren, denn unbegrenzte Datenspeicherung ist umstritten, zurecht. Für mich persönlich kann sie aber Teil meiner Konstruktion von Welt sein. Früher habe ich Tagebuch geschrieben, wenn ich heute die damals geschriebenen Zeilen lese, helfen sie meiner Erinnerung auf die Sprünge. Aber wann schaut man auf diese Datensammlung zurück, es ist angesagter, nach vorne zu schauen.

Als Pädagoge frage ich mich, welche Erkenntnisse die hinterlassenen Daten neben der Selbstvermessung noch ermöglichen:

  1. Sensibilisierung für die Menge der hinterlassenen Spuren.
  2. Verhältnis von Privat und Öffentlich definieren.
  3. Die Nutzung der hinterlassenen Daten nicht nur Anderen überlassen.
  4. Gesamteindruck vom digitalen Ich gewinnen.
  5. Meine Daten sind nie von denen meiner “Freunde” zu isolieren. Viele Daten geben auch Informationen über mein Netzwerk preis.

Wer mit Teilnehmenden seiner Seminare einmal Daten vor dem Hintergrund der genannten Punkte auswerten will, dem seien folgende Tools empfohlen. Es sei aber auch darauf hingewiesen, dass die Nutzung dieser Werkzeuge den Anbietern Zugriff auf eure Daten ermöglicht:

Twitter-Vermessung:

Tweetsheet

Tweetsheet

CC by 3.0 by gibro

Mit Tweetsheet von Vizify können Tweets von Twitter ausgewertet werden. Natürlich gibt es zahlreiche Tools, die ähnliches machen, aber nur sehr wenige, die auf die letzten 3200 Tweets zurückgreifen. Häufig werden nur die letzten 500-1000 Tweets ausgewertet. Bei meiner Postingfrequenz kann ich so auf das letzte Jahr zurückschauen. Eine ähnliche Auswertung habe ich mir zwar schon mit einem Calc-Sheet zusammengebastelt, aber mit diesem Werkzeug geht das innerhalb weniger Minuten.

Mapize

Mapize ist ein Contentmanagment System für ortbasierte Informationen. Im Ergebnis werden ortsbasierte Informationen visualisiert. Bisher können Twitter Freunde und Follower und Fourquare Aktivitäten abgebildet werden. Leider ist der Datenbestand noch statisch. D.h. man kann Daten einpflegen, aber sie werden nicht in Echtzeit aggregiert. Die Möglichkeiten sind mit entsprechenden Programmierkenntnissen sicherlich recht beeindruckend. Ein Beispiel dafür ist die openinnovationmap.

SocialBro

SocialBro

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SocialBro gibt es im Chrome Store. Ich hatte es vorher als Software für den Mac. Aber im Browser ist es noch schicker. Es wertet Twitter so vollständig aus, wie kein anderes mir bekanntes Tool. Dabei steht nicht mein eigenes Profil im Mittelpunkt, sondern das meiner Friends und Follower. So können z.B. inaktive Accounts schnell gefunden und entfolgt werden. Es hilft ein wenig beim Frühjahrsputz.

Facebook-Vermessung:

Openbook

openbook

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Eine Suchmaschine für Facebook, die auch funktioniert, wenn man nicht bei Facebook angemeldet ist, weil sie alle Informationen ausliest, die öffentlich in Facebook stehen und prinzipiell Jedem zugänglich sind. Mit openbook lässt sich kontrollieren, ob Informationen, die mit den Freunden getauscht wurden auch wirklich nur von denen gelesen werden können, oder die eigenen restriktiven Einstellungen einem Relaunch der Privacy-Einstellungen zum Opfer gefallen sind.

Facebook-API

Facebook API

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Eine API ist eine Schnittstelle für Programmierer. Damit werden Daten aus einem Web-Dienst abgegriffen und für die eigene Dienstleistung verwand. So stellt Facebook seine API den Werbetreibenden zur Verfügung, um profilbasierte Werbung einspielen zu können. Welche Daten, eben auch Private über die API ausgespuckt werden, kann man sich mit Hilfe des Angebots anschauen. Nachdem die User ID ermittelt ist, lassen sich alle Daten auslesen. Sieht nicht besonders schick aus, zeigt aber dennoch eindringlich, was Dritte auch ohne dein Einverständnis an Daten herunterladen können.

TouchGraph

TouchGraph

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TouchGraph ist eine Facebook App, die im Gegensatz zum Social Graph mehr Möglichkeiten zulässt, die Auswertungen zu spezifizieren. TouchGraph gelingt es auch sehr gut, die einzelnen Netzwerke innerhalb meiner Freundesliste voneinander abzugrenzen. Abgesehen davon sieht es am Ende auch noch schick aus.

Profil Analysis

Profil Analysis

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Auch das ist eine Facebook App, mit der das eigene Profil gescannt wird. Danach wird ein Score für dein Profil errechnet. Besonders viele Punkte habe ich für die Menge an Posts im Vergleich zum Durchschnitt bekommen. Wenn auch die Software zu dem Schluss kommt, ich sei ein durchschnittlicher Facebook-Nutzer im Vergleich zu meinen Freunden, so liegt das nur am Mittelwert. Schaut man sich die einzelnen Werte an, so liege ich entweder weit drunter oder weit drüber. Je mehr Werte also einbezogen werden, um so durchschnittlicher sind wir alle.

Archiv:

Memolane

Memolane

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Diese Timeline ist in der Lage viele gängige social Networks anzuzapfen, darüber hinaus kann man beliebig viele RSS-Feed einrichten. Es entsteht ein digitales Archiv. Das schon einige Jahre in die Vergangenheit reicht. Entscheidend ist, dass Memolane die Daten nicht bei sich speichert, sondern von den eingestellten Diensten abruft. Werden die Daten gelöscht, sind sie auch bei Memolane nicht mehr zu sehen. Der Rückblick in die Vergangenheit ist interessant, bedeutet aber auch, dass viele deiner Daten sorgsam gehütet werden.

 

3 Kommentare

2 Pings/Trackbacks

  1. 13. Januar 2012    

    Warum die alten Daten angucken nicht “angesagt” ist, liegt daran, dass Daten an sich ja sinnlos sind. Erst wenn sie mit Bedeutung aufgeladen werden – also im Prozess des zu Informationen-Wissen-“Weisheit”-Werdens – sind sie vielleicht der Anfang von Sinnbildung gewesen. Und hat dieser Prozess stattgefunden, dann sind die ursprünglichen Daten höchstens noch Nachweis aber kein Anfang von Erkenntnis mehr. Und dann: sie sind quantitative Messdaten. Warum will ich meine immer kostbare, weil sehr endliche Zeit damit verbringen, meine Kommunikationsdaten von vergangenen Kommunikationen zu “vermessen”? – Höchstens, wenn ich auf der Suche wäre nach den Ursachen für heutige Kommunikationsprobleme. Und ob ich die aus den trivialen Daten entnehmen könnte?

  2. […] Plattformen, die ich in diesem Zusammenhang kennengelernt habe ist, dass der Podcastproduzent Herr seiner Daten bleibt, der entscheidende Nachteil ist, dass Auphonic weniger auf Community setzt. Das läßt sich […]

  3. […] Jahren versuche ich meine eigenen Daten, die ich fremden Plattformen anvertraut habe nicht nur herunterzuladen, sondern auch […]

  1. Auphonic – Audiopublishing auf dem eigenen Server on 7. Dezember 2012 at 10:48
  2. Was ist meine Öffentlichkeit und wieviele on 5. Februar 2013 at 11:17

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