Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Der Fall Streetview: Sie sind sensibilisiert aber ahnungslos

Streetview ParisNoch vor wenigen Jahren hätte die Streetview Geschichte kein Aufsehen erregt. Heute wird es zum Topthema für Medien und Politiker. Aber es wird leider nur die Ahnungslosigkeit der Bürger ausgenutzt um ein Topthema zu verkaufen.

Datenschutz war und ist schwere Kost, sie setzt voraus, dass man die Systeme versteht, in denen schützenswerte Daten anfallen. Und daran hat sich in den letzten Jahren nicht viel verändert. Der Unterschied besteht nur darin, dass es der Datenschutzbewegung zu verdanken ist, dass die Bürger heute wesentlich bewusster mit ihren Daten umgehen, vor allem, wenn sie digital in großen Datenbanken gesammelt werden oder nicht spielt keine Rolle. Daraus ist aber kein reflektierter Umgang mit den eigenen und den anvertrauten Daten erwachsen, sondern eine große Verunsicherung, der in der Regel mit Abstinenz begegnet wird. Ich bloggte schon einmal darüber. Was wir jetzt brauchen ist das Hintergrundwissen, um die Vorgänge beurteilen zu können.

Während der Datenschutz früher noch ein Nerdthema war, so ist er heute zu einem massentauglichen Thema herangewachsen, das Wissen über die Umstände hat sich aber nicht vermehrt. Ganz im Gegenteil Unsicherheit ist der beste Freund der Hetze und genau die wird gerade mit Streetview betrieben. Ich habe in den letzten Tagen den Spruch des Mitbegründers des CCC, Wau Holland, oft gehört: “Private Daten schützen, öffentliche Daten nützen.”, zum Beispiel hier dank dieser Faustformel ist es gar nicht nötig, die Systeme zu verstehen, in denen private Daten anfallen, hier wird nur noch die Unterscheidung zwischen privat und öffentlich gemacht, und das läßt sich in der Regel gut voneinander abgrenzen.

… auch im Fall von Streetview: Google überwacht nicht dauerhaft den öffentlichen Raum, sondern macht eine Momentaufnahme. Google will auch nicht die Menschen fotografieren, sondern die Strassen, also den öffentlichen Raum. (bekannt gewordene Fälle des Trackens von SSIDs greifen dabei in die Privatsphäre der Bürger ein und müssen verhandelt werden. Google sollte also vielmehr dazu angehalten werden aufzudecken, welche Daten erhoben werden, statt das Projekt blind zu bashen) Vielleicht bin ich sogar auf einem der Google Streetviewbilder zu sehen, dann muß Google bitten mich dort zu entfernen, falls die automatisierte Anonymisierung nicht funktionieren sollte. Im Zeitalter der digitalen Fotografie sollten wir uns damit abgefunden haben, dass Bilder von uns im Netz auftauchen können, auch wenn wir sie selbst nie finden.

Es ist also noch lange nichts gewonnen, nur weil die Bürger für Datenschutzfragen sensibilisiert wurden. Es muss gelingen ihnen ihre Unsicherheit zu nehmen indem man aufklärt, da sehe ich die Massenmedien in der Pflicht, die beteiligen sich aber an der Hetze und ich unterstelle ihnen das tun sie mit Vorsatz, alles andere wäre noch viel trauriger.

2 Kommentare

  1. 12. August 2010    

    Ja, schon richtig.
    Jedoch sollte man auch die “Panoramafreiheit” betrachten:
    Zitat aus Wikipedia: “Der Aufnahmestandpunkt muss zudem allgemein ohne Hilfsmittel zugänglich sein. Eine Leiter – auch wenn sie nicht dazu dienen sollte, über ein Hindernis hinwegzublicken – ist demnach genauso wenig zulässig wie ein Hubschrauber”.
    Knapp 3 Meter über dem Erdboden Aufnahmen zu machen ist aber ohne Hilfsmittel kaum möglich.

  2. 12. August 2010    

    Das ist richtig. Natürlich sind die 3 Meter zu verhandeln, letztendlich ist das aber nicht das Problem, sondern, dass diese Aufnahmen überhaupt gemacht werden, ob aus 3m höhe oder aus 1,7m.

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@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

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