Das Ausmaß der Totalüberwachung habe ich bis heute nicht verstanden. Ja, was ich ins Internet stelle ist per default öffentlich, aber am Ende dann eben doch nur für ein paar Spähfanatiker zugänglich. Erst vor knapp einem Jahr habe ich dann angefangen mein Verhalten im Internet bewusst zu verändern:

Lastpass

Zuerst habe ich mir eine Passwortverwaltung zugelegt, bei der ich für jeden Dienst ein neues Passwort hinterlegen kann. Empfohlen wurde mir Last Pass. Ja, es könnte noch viel sicherer sein, aber hier habe ich zumindest ein nicht ganz so schlechtes Gefühl. Meine Passwörter werden verschlüsselt abgelegt und übertragen und sind so kryptisch, dass ich mir keines davon merken kann.

LassPass stellt eine App für mein iPhone zur Verfügung und somit sind alle Passwörter nach Eingabe des einen letzten Passwortes auch mobil verfügbar, also dann, wenn ich sie brauche. In den meisten Fällen werden die Passwörter in die Zwischenablage kopiert und von dort an die Stelle zum authentifizieren kopiert. Ich kriege sie also nur sehr selten zu Gesicht, diese zufälligen Zeichenreihen. Lastpass kostet Geld, aber wir wissen ja, was nichts kostet ist auch nichts :-).

Posteo

Die Passwortverwaltung tut nicht weh, wenn man vorher zwischen 6 Passwörtern gewählt hat, ist es ein deutlicher Zugewinn an Bequemlichkeit. Dennoch konnte es nicht dabei bleiben. Meine Mails, lagen in den letzten 8 Jahren bei Google, das war auch sehr bequem, aber man fühlt sich wie nach einem guten Essen, anstatt Sport gemacht zu haben. Also schlechtes Gewissen gepaart mit einer inneren Unruhe. Natürlich muss man von Google weg, aber das muss gut überlegt sein.

Posteo macht seit einiger Zeit positive Schlagzeilen:

Also bin ich langsam ausgestiegen. Nur nichts überstürzen, vielleicht funktioniert es am Ende gar nicht so gut wie Gmail. Aber mal im Ernst: IMAP bleibt IMAP, ob Gmail oder Posteo, das ist eigentlich egal. Meine Mailadresse bei Posteo war genauso schnell geklickt, wie bei den Free-Mailern auch. Allerdings muss man bei Posteo für den E-Maildienst bezahlen: 1,00 € pro Monat + 0,50 € pro 2 GB Speicherplatz im Monat. Zur Zeit bezahle ich 2,50 € im Monat, das ist nicht viel, aber Kunden wie ich sind die einzige Einnahmequelle für Posteo. Das heißt, wenn sie nicht mehr im Sinne meiner Interessen agieren, wenn die negative Schlagzeilen machen, wird das ihr Ende sein. Sie werden, so hoffe ich, zumindest den Schutz meiner Mails sehr hoch priorisieren. Um mich zu einem zufriedenen Kunden zu machen.

Wie habe ich es genau gemacht?

  1.  Mailadresse bei Posteo eingerichtet
  2. Ach was, Posteo hat sich dazu soviel Mühe gegeben, da reicht ein Link “Umzug von Gmail zu Posteo

GPG

Wer A sagt muss auch B sagen. Also auch den Mailinhalt selbst verschlüsseln. Als Mailprogramm nutze ich auf meinem Macbook Mail, also das Apple Standard-Programm. GPG Tools hilft die dortigen Mails zu verschlüsseln. Dazu richtet man pro Mailadresse einen privaten und einen öffentlichen Schlüssel ein. Den Privaten darf man auf keinen Fall bekannt geben, den öffentlichen legt man zum einen auf diversen Schlüsselservern ab, zum anderen bietet man ihn überall, wo es sich anbietet zum Download an. Damit die Gegenseite etwas mit meinem Schlüssel anfangen kann, muss auch dort verschlüsselt werden und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Das ist den meisten zu umständlich, obwohl, wenn alles einmal eingerichtet ist, dann wird standardmäßig verschlüsselt und man merkt es kaum noch. Das habe ich vor knapp einem Jahr für meine beruflichen Mails gemacht und bin vor kurzem mit meinen privaten Mails nachgezogen.

Auf meinem iPhone habe ich S/Mime auch eingerichtet, läuft aber seit iOS 8 nicht mehr, weiss nicht warum. Ich habe mich an die Anleitung von T3N gehalten. Vielleicht war das ein Fehler.

Threema

Mein Bekanntenkreis hat sich in den letzten Jahren lückenlos mit Smartphones ausgestattet. Während noch vor 2 Jahren relativ viel über Whats App abgewickelt wurde, habe ich eine Geburtstagseinladung genutzt und alle mir nahestehenden Menschen mit Threema ausgestattet. Der Dienst hat sich in den letzten Monaten, nachdem Whats App von Facebook gekauft wurde zu einer brauchbaren Alternative entwickelt. Sie haben bewiesen, wie einfach Verschlüsselung sein kann.

Warum mir das wichtig ist?

Natürlich habe ich jede Menge zu verbergen, wer hat das nicht. Eine Volltextsuche in meinem Mailarchiv fördert nicht nur längst Vergessenes zu tage, sondern auch die vielen Irrwege und Sackgassen, die man besser für sich behält, weil man ja doch nicht immer recht behält. Es gibt natürlich auch eine Reihe von Positionen, die in ihrer Entwicklung, so dahin geschrieben, aus heutiger Sicht viel Kopfschütteln verursachen. Ich möchte in jedem Fall zukünftig verhindern, dass solche Ideen einem möglichst kleinen Kreis zugänglich ist, im Idealfall eben nur mir.

Und nicht zu vergessen, die Daten die mir gar nicht gehören, sondern anderen Menschen, mit denen ich kommuniziere. Auch für die bin ich verantwortlich, solange sich die Daten auch auf meinem Gerät befinden.