Bildung an der Schnittstelle Analog und Digital

Computer für Kinder ab 2 Jahre

Kinder ab 2 – 3 Jahren bringen häufig die nötigen feinmotorischen Kompetenzen mit, um mit einer Maus am Computer zurechtzukommen. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die spielerische Integration digitaler Medien nicht früh genug beginnen kann. Häufig versuchen Eltern so lange wie möglich Kindern den Umgang mit bildschirmbasierten Medien zu ersparen. Fakt ist jedoch, dass Kleinkinder eher mit dem TV als mit dem PC großwerden, auf der anderen Seite wird ihr Leben vermutlich zukünftig stärker vom Computer als vom TV bestimmt sein. Es geht um einen gesunden Mix unterschiedlicher Angebote, dabei ist der Computer natürlich nur eines unter sehr vielen, der Spielplatz und der Zoobesuch gehören natürlich auch dazu. Digitale Medien gehören dabei in die Mitte des familiären Lebens. Falls also irgendwo noch ein alter Laptop herumstehen sollte bietet es sich an an dieser Stelle weiterzulesen.Ich halte nicht viel von den Instant-Kinderlaptops, die nach wenigen Tagen in den Kinderzimmern versauern, weil die Grafik schlecht, die Programme nicht durchdacht und die Anwendungsoptionen beschränkt sind. Ein Laptop dagegen ist sehr gut für Kleinkinder geeignet, weil hier die Maus durch ein Touchpad ersetzt wird, das machte es den kleinen Kinderhänden leichter die Maus zu bedienen und dabei schnell Erfolgserlebnisse zu haben. Ich und meine Kinder haben uns seit längerem mit dem kostenlosen Open Source Programm gcompris beschäftigt. Es bringt eine eigene Umgebung für die Kleinsten mit und schützt vor unliebsamen Klicks, so dass die Eltern am Ende ihren Desktop nicht mehr wiedererkennen. Ab 3 Jahren können sich die Kinder hier mit ersten Mausübungen den Eintritt in die digitale Welt ebnen. Die Eltern müssen die ersten Schritte mit den Kindern gehen, aber schon nach dem 3. und 4. mal haben sich die Kinder die Wege und anzuklickenden Icons gut gemerkt und finden alleine zu ihrem Mausübungsspiel. Dennoch sollte bei dem Umgang mit dem Computer immer ein Erwachsener dabei sein, sonst entgehen einem die schönsten Fragen, die nur Kinder stellen können, z.B. wie kommt das Bild durch das Druckerkabel aus dem Drucker heraus?

Die Software ist für das Betriebssystem Linux entwickelt worden, wird aber mittlerweile auch für Windows zum Download angeboten, dort habe ich es aber noch nie ausprobiert. Auf der Webseite ist aber zu lesen, das dort nur eine eingeschränkte Nutzung möglich ist, um für den Einsatz von Linux in Schule und Kindergärten zu fördern. Gcompris hält für das Alter von 2-10 Jahren Übungen vor. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es darunter auch eine Reihe an sehr kniffeligen Aufgaben gibt, die man am besten mit den Eltern oder noch besser mit dem Bruder oder der Schwester zusammen löst. Für Kinder ist die Einbettung der Medien in das familiäre Leben und damit in ihr soziales Umfeld eine wichtige Erfahrung, zumal es sich um ein Medium handelt, dass die Kinder aktiviert und damit Fragen provoziert, anders als unter Umständen das Fernsehen. Für Kinder, die noch nicht lesen können hält das Programm eine Audiosteuerung vor. Wenn man mit der Maus über ein Icon fährt, wird die Funktion des Symbols benannt. Wenn man das Hilfemenü aufruft, wird das entsprechende Spiel erklärt. Gcompris ist für den Einsatz im Kindergarten und in der Grundschule konzipiert. Kinder können nach meiner Erfahrung damit recht schnell lesen und schreiben lernen, nicht dass Kinder das mit 4 oder 5 Jahren können müssen, aber er scheint ihnen Spass zu machen, denn die Auswahl der Spiele ist groß und muss sich nicht unbedingt aufs z.B. Lesen lernen kapriziert werden.

Das Programm ist nicht neu und wird auch seit 5 Jahren nicht mehr weiterentwickelt, für die Kleinsten ist es aber immer noch Up to Date.

Noch einen Tip an die Eltern, übernehmt nur dann das Ruder, wenn die Kinder eure Hilfe einfordern. Gerade am Anfang, wenn es seeeehr lange dauert, ist man versucht den Kindern zu helfen. Aber sie brauchen die Zeit um das Medium auf ihre Weise zu verstehen. Die Vielzahl an Spielen gibt den Kindern die Möglichkeit, sich auf ihre Art dem Medium auseinanderzusetzen. Das sieht dadurch bei jedem Kinder auch anders aus. So probieren sie sich z.B. häufig an Dingen, die wir Erwachsenen für viel zu schwierig einschätzen, Kinder sehen das ganz anders, und lassen schnell ab, wenn sie es nicht verstehen. Aber das Klicken auf das Unbekannte hat seinen Reiz, auch jenseits des Internets, das bei Gcompris keine Rolle spielt.

Im Folgenden möchte ich ein paar Spiele vorstellen:

Screenshot Beschreibung
Zu Beginn der Startbildschirm mit seiner einfachen Navigation, die sich für die Kinder schnell erschließt.
Das oben schon beschriebene Mausübungsspiel ist ein sehr guter Einstieg. Hierbei dient der Schwamm als Mauszeiger mit dem das Bild von seinen durchsichtigen Steinen befreit werden muss.
Bei diesem Spiel muss das Kind mit der Maus die blauen Punkte anklicken. Nach jedem Klick verbinden sich die Punkt miteinander. Sind alle Punkt durchgeklickt, ist ein kleines Bild gemalt. Die Kinder lernen hier das Klicken mit der linken Maustaste.Sehr schnell sind auch Bilder mit mehr als 50 Punkten zu komplexen Bildern zusammen geklickt, eine Vorstufe zum dem wohl bekannten Malen-nach Zahlen.
Bei den Tastaturspielen geht es um unterschiedliche Fähigkeiten. Die Sterne über den Icons zeigen den Schwierigkeitsgrad an. Hier reicht er von beiden Shift-Tasten gleichzeitig drücken bis zu Buchstaben auf der Tastatur suchen, bevor sie auf den Boden fallen.
Bei diesem Farbenspiel müssen farblichen Abfolgen auf der rechten Seite nachgebaut werden. Dazu ist Drag und Drop erforderlich, das die Kinder aber bei einem der Mausspiele zuvor geübt haben.
Schon etwas schwieriger aber durchaus von Kinder ab 4-5 Jahren zu lösen: Die Funktion einer Schleuse. Die Kinder können an den entsprechenden Stellen die Schleusenkammern öffnen, diese füllen sich dann mit Wasser und das Schiff wird nach oben gedrückt oder nach unten abgelassen. Vorher sollten die Kinder mal durch eine Schleuse gefahren sein, dann wird es einfacher mit der digitalen Simulation. Ähnlich funktioniert ein Spiel, in dem die Kinder den Wasserkreislauf kennenlernen.
Ebenso können die Kinder Buchstaben und Zahlen kennenlernen.
Etwas schwieriger und komplexer ist dagegen die Erstellung einer kleinen Animation, die Konstruktion eines Stromkreislaufs oder die Erstellung einer Textdatei.
Schließlich gibt es noch eine Administration für Lehrer/innen, in der man im Klassenraum für jedes Kind einen Benutzernamen einrichten kann, um die unterschiedlichen Lernstände als Lehrer verfolgen zu können. Konzipiert für die Schule, aber dort wahrscheinlich selten eingesetzt, wenn man der Webseite glauben darf.

Es muss an dieser Stelle noch einmal deutlich darauf hingewiesen werden, dass die digitalen Medien, in diesem Fall Gcompris nichts ersetzen sollen, sondern im Gegenteil eine Ergänzung darstellen.

1 Kommentar

  1. 29. November 2012    

    Na da sage ich doch mal vielen Dank für den tollen Beitrag. War grad selbst auf der Suche nach einer Info ab wann man sein Kind in die digitale Welt führen sollte. Da das Arbeiten am Computer mein Leben seit ich 12 bin bestimmt, dachte ich mir schon das so etwas nicht früh genug in das Leben der Kinder einzug halten sollte.

    PS: TV Programm gibts bei uns seit jahren nicht, ich wüßte auch nicht was man da als Kind lernen könnte. Ausser vielleicht wie man denglisch spricht oder wie niveaulos die Privatsender sind. 🙂

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Worum gehts hier?

@gibro schreibt über den (bisher) schmalen Pfad an dem sich die analoge und die digitale Welt treffen. Welche Möglichkeiten sich daraus für die Bildungspraxis ergeben ist Inhalt dieses Blogs.

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